Minneapolis im Ausnahmezustand.
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WashingtonMinneapolis brennt, St. Paul tobt – die Wut der Menschen über den Tod des Schwarzen George Floyd unter dem Knie eines weißen Polizisten kocht über. Angefacht von einer einfachen Frage: Warum sitzt der mutmaßliche Mörder in Uniform nicht längst in Untersuchungshaft? Jeder andere Bürger, erst recht ein Angehöriger einer Minderheit, landet in den USA wegen viel kleinerer Vergehen hinter Gitter.

Dass bei dem Polizisten ein anderer Maßstab angelegt wird, verstärkt das Ohnmachtsgefühl der Betroffenen. Zumal es eine lange Geschichte strukturellen Rassismus gibt, der in dem System der amerikanischen Strafjustiz überlebt hat. Die nicht proportionale Gewalt der Polizei gegen Schwarze ist nur eine Facette davon.

Dieser aufgestaute Frust entlädt sich einmal mehr in Gewalt. Wie vor sechs Jahren in Ferguson nach dem Tod Michael Browns, als der weiße Polizist ungeschoren davonkam. Wie in 99 Prozent der Fälle, wenn Ordnungshüter im Dienst töten. Das war die Geburtsstunde der „Black Lives Matter“-Bewegung.

Tragischerweise zählen schwarze Leben im Jahr 2020 immer noch wenig. Es reicht, mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein erwischt zu werden, um unter dem Knie eines Polizisten zu sterben.

Natürlich ist die Gewalt, die sich seitdem entfaltet hat, keine Lösung und schadet den eigenen Nachbarschaften. Aber es lässt sich leicht erklären, warum die aufgebrachten Demonstranten nicht auf die Appelle der Politiker hören. Wenn das Vertrauen in das Rechtssystem schwindet, brennt das Polizeirevier.

Dass ein CNN-Reporter, der über die Unruhen berichtet, vor laufender Kamera abgeführt wird, zeigt, was im Argen liegt. US-Präsident Donald Trump tut in der Situation, was er am liebsten macht. Er gießt Öl ins Feuer, indem er die Demonstranten als „Gangster“ abtut und mit dem Einsatz von Schusswaffen droht.

Für ihn sind die Proteste eine willkommene Ablenkung von seinem Versagen in der Corona-Krise. Dabei übersieht er einen Zusammenhang, der die Wut der Minderheiten verstärkt.

Auch das Virus macht Unterschiede, wen es tötet. Betroffen sind überproportional Schwarze, deren Armut, Wohnverhältnisse und fehlender Zugang zu Gesundheitsdiensten sie besonders anfällig für Covid-19 macht. Die Krankheit hat schon heute einen von 2000 Afroamerikanern dahingerafft.

Das ist die Kehrseite derselben Medaille, deren Währung die strukturelle Benachteiligung schwarzer Leben in Donald Trumps Amerika ist.