Die Zeit der Frauen ist vorbei

In der CDU werden wohl wieder Männer die Führung übernehmen. Eine Frau an der Spitze ist eben noch kein Förderprogramm. Dazu sind andere Maßnahmen nötig. 

Berlin-Im vergangenen Jahr ging ein Bild durch die Presse, es war kurz nachdem Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin gewählt wurde. Auf dem Bild sah man von der Leyen, Angela Merkel und Annegret Kramp-Karrenbauer. Es sah aus, als hätten bei der CDU die Frauen endgültig die Macht übernommen. Merkels Matriarchat, lautete eine Schlagzeile.

Juli 2019: Ursula von der Leyen (Mitte) wird als Verteidigungsministerin verabschiedet, weil sie  EU-Kommissionspräsidentin wird. Ihre Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer (rechts) folgt ihr nach. Kanzlerin Angela Merkel ist wieder ihre direkte Chefin. 
Juli 2019: Ursula von der Leyen (Mitte) wird als Verteidigungsministerin verabschiedet, weil sie EU-Kommissionspräsidentin wird. Ihre Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer (rechts) folgt ihr nach. Kanzlerin Angela Merkel ist wieder ihre direkte Chefin. imago images / Xinhua

Aber jetzt scheint die Zeit der Frauen schon wieder vorbei zu sein. Zumindest in der CDU.

Diejenigen, die für den Parteivorsitz und damit auch für die Kanzlerkandidatur im Gespräch sind, das soll in einer Hand liegen, das sind alles Männer, Armin Laschet, Jens Spahn, Friedrich Merz. Womöglich kommt für die Kanzlerkandidatur noch der CSU-Politiker Markus Söder in Frage, da ist das letzte Wort offenbar noch nicht gesprochen.

Aber keine einzige Frau ist dabei.

Es gibt nicht mal eine Frau, die so profiliert ist, dass sie es in die engere Auswahl zu schaffen scheint. Und die Auswahl ist ja auch eher bescheiden. Es käme vielleicht noch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Frage, und dann wird es schon sehr, sehr dünn.

Im Bundestag sind übrigens nur knapp 20 Prozent der Unionabgeordneten weiblich. So wenig waren das zuletzt 1998. Und das ist schon eine bittere frauenpolitische Bilanz für Angela Merkel, die ja ihre Karriere als Frauenministerin gestartet hat.

Ihre Parteifreundin Annegret Kramp-Karrenbauer ist gescheitert, an sich selbst, ja, aber nicht nur. AKK hat viele Fehler gemacht, das ging mit ihrer Obsession mit Unisex-Toiletten los und endete mit diesem Desinteresse an den Vorgängen nach der Wahl in Thüringen. Aber das ursprüngliche Problem lag an der Konstruktion, dass Angela Merkel zwar 2018 den Parteivorsitz abgegeben hat, aber Kanzlerin geblieben ist. Es sah so aus, als ob sie einer anderen Frau den Weg ebnen würde, aber nur so halb. Die Fäden im Kanzleramt hielt sie weiter in der Hand. Dadurch hat Merkel ihrer Nachfolgerin die Möglichkeit zur eigenen Profilierung genommen.

Klar, dann hat AKK noch den Fehler gemacht, Verteidigungsministerin zu werden – und auf einmal war Merkel wieder ihre Chefin am Kabinettstisch. Dass es zwischen den beiden Frauen nicht mehr gut lief, das war ja schon im vergangenen Jahr bekannt und das sah man dran, dass sie beispielsweise zu einer Reise nach Washington in unterschiedlichen Flugzeugen aufbrachen. Und vergangene Woche, nach dem Drama in Thüringen, war es dann auch die Kanzlerin, die noch aus Südafrika aufräumte. Und man merkte, dass sie, Merkel, sich eigentlich immer noch für die bessere Parteichefin hielt.

Man sieht an dem Vormarsch der Männer jetzt auch, dass eine Frau an der Spitze noch kein Frauenförderprogramm ist. Sondern dass man strukturelle Veränderungen und Quoten braucht. Das hätte Merkel in 20 Jahren an der CDU Spitze ändern können, diese Chance hat sie verstreichen lassen.