Berlin - Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hat am Wochenende Pluspunkte gesammelt. Während sich einige Länderchefs gerade mit dem Bund beharken, hat sie einfach mal Fakten geschaffen. Pragmatisch und lösungsorientiert. Das ist bürgerfreundlich, und deshalb gebührt der schon oft kritisierten Senatorin an dieser Stelle ein dickes Lob.

Es geht ums Testen. Um die Corona-Schnelltests ist in den vergangenen Wochen viel gestritten worden. In diesen Auseinandersetzungen ging es darum, dass der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit einer Schnelltest-Offensive nach vorne geprescht war, ohne vorher die offenen Fragen zu klären und den direkt für diese Tests zuständigen Ländern überhaupt zu erläutern, wie das ablaufen soll. Kein Wunder, dass es Ärger gab.

Die Bürger hatte man bei diesem Streit gleich ganz vergessen. Erst viel später wurde ihnen erklärt, dass Schnelltests von geschultem Personal vorgenommen werden, während Laien-Selbsttests jeder machen kann. Wie das Ganze funktioniert, wo es die Tests gibt, ab wann, wie viele, zu welchen Bedingungen? Manche Fragen sind bis heute offen.

Das Ganze wurde immer unerfreulicher, als die Länderchefs aus dem SPD-Lager sich in Schuldzuweisungen Richtung Bund ergingen, während CDU-Ministerpräsidenten die Strategie ihres Parteikollegen verteidigten und der Bund das ungelöste Problem umgehend wieder den Ländern zuschob, mit dem Hinweis, sie seien doch zuständig dafür.

Durchaus erfrischend wirkt es da, wenn an einem Sonntag plötzlich Bewegung reinkommt. Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci wurde an diesem Tag wohl von ihrem eigenen Erfolg überrascht. Holterdiepolter wurde eine Website gebastelt, auf der man Termine buchen kann. Die Senatorin selbst fuhr nach Lichtenberg, um eins der Testzentren vor der Eröffnung noch mal schnell zu besuchen und Journalisten ein paar Fragen zu beantworten.

Tests auf das Coronavirus werden ein Renner werden in den nächsten Tagen und Wochen. So viel steht fest. Die Menschen warten derart ungeduldig auf eine Chance, dem Lockdown zu entkommen, ihre Eltern und Großeltern zu besuchen, wieder Schritte in einen normalen Alltag zu tun, dass es gar nicht anders sein kann. Schön, wenn eine zuständige Senatorin dies als Aufgabe annimmt und die Ursachenforschung für missglückte Abläufe hinter sich lässt. Zupacken und eine pragmatische Lösung bieten ist auf jeden Fall das Beste in dieser Lage. Jetzt muss es nur noch klappen, das Testen.