Die Diskussion um den Fernsehmoderator Markus Lanz hat für eine Welle von Petitionen im Netz gesorgt. Auch der Kabarettist Dieter Nuhr hat sich daran beteiligt. Sein Aufruf „Gegen digitales Mobbing, binäre Erregung und Onlinepetitionswahn“ war allerdings so formuliert, dass er von der Plattform openpetition.de gelöscht wurde. Bald gab es einen neuen Aufruf „Für den Erhalt von Dieter Nuhrs Petition“.

Herr Nuhr, wo sind Sie auf die Idee gekommen, eine Internet-Petition zu verfassen?

Unter der Dusche. Ich bin ja kein strategischer Denker, sondern eher spontan.

Sie sind mit Ihrem Aufruf schnell gescheitert.

In der Tat, die haben meine Petition untersagt. Aber warum, da müssen Sie die Damen und Herren von openpetition.de fragen. Ich denke, Humorlosigkeit spielt eine Rolle. Man lacht eben lieber über andere als über sich selbst. Und bei Ironie hört bei vielen der Spaß auf.

Es gibt auch eine Petition für den Erhalt Ihrer Petition. Werden Sie eine neuen Versuch starten?

Nein, aber vielleicht wird diese Petition auch verboten, dann könnte es eine Petition zum Erhalt einer Petition gegen die Abschaffung einer Petition geben. Das wäre mal was Neues.

Ist das Internet ein guter Ort der öffentlichen Auseinandersetzung?

Ich glaube, die breite Öffentlichkeit sieht erheitert zu und fragt sich, was die da treiben. Aber das ist ja auch wurscht. Im digitalen Zeitalter ist die Erregung Selbstzweck. Sie kommt und geht. Die Lynchjustiz funktioniert heute indessen binär, ein großer Fortschritt.

Als Künstler ist man doch ohnehin gewohnt, von seinen Zuschauern auch mal unsachlich kritisiert zu werden. Was ist der Unterschied?

Meine Zuschauer sind ja größtenteils auf meiner Seite. Deshalb kommen sie ja wieder. Die Öffentlichkeit an sich ist in den letzten Jahren zunehmend verbal gewaltbereit geworden. Und die Lynchbereiten werfen nun Herrn Lanz Unhöflichkeit vor. Da sollten wir alle mitlachen.

Wie stellen Sie sich eine angemessene, kritische Auseinandersetzung über künstlerische und politische Belange vor?

Höflich. Und zivilisiert. Aber das ist in Anonymität natürlich nicht möglich.

Warum nicht?

Das Internet ist offenbar ein rechtsfreier Raum. Da kann jeder pöbeln wie er will. Insofern sehe ich da keine Einschränkungen. Das Internet ist auch in Zukunft unser Erregungsraum. Das wird sich nicht ändern.

Für was und wie nutzen Sie das Internet?

Zur Information. Das Wissen der Welt steckt da drin. Wunderbar!

Sie haben selbst ein Facebook-Profil und sind bei Twitter aktiv: Als Künstler ist man auf das Medium angewiesen, oder?

Ich bin da hauptsächlich, weil sonst andere in meinem Namen reden. Es gibt zahlreiche Facebook- und auch Mailaccounts, die mit dieter.nuhr@ beginnen. Da es den Namen nur ein Mal gibt, schreibt da wohl irgendein Drecksack in meinem Namen. Da muss man selbst teilnehmen, um zu verhindern, dass andere die Identität komplett übernehmen.

Und wie nutzen Sie die neuen Medien privat?

Privat zur direkten Kommunikation mit Freunden und Bekannten. Die Post braucht einfach länger.

Das Interview führte Jörg Hunke.