Berlin - Ursula Hennicke hatte von ihrem Glück nichts geahnt. Weil die 75-Jährige am Donnerstag im Impfzentrum in der Babelsberger Metropolis-Halle zufällig in Impfstraße 12 eingeteilt wurde, bekam sie außer der Zweitimpfung auch noch einen Zettel mit einem QR-Code mit.

Damit ist sie nun eine der ersten Bundesbürgerinnen, die im Besitz eines digitalen Impfpasses ist. Oder doch zumindest des ersten Teils eines Impfpasses – denn noch fehlt die App zum QR-Code. Vermutlich deshalb wurde ihr die Bedeutung des Codes im Impfzentrum gar nicht erst erläutert. Und so bemerkte Frau Hennicke kaum, dass sie Teil des ersten bundesweiten Feldtestes für den digitalen Impfpass in Deutschland war.

Der Bundesgesundheitsminister, der das Projekt mehrfach angepriesen hatte, blieb dem Auftakt der praktischen Erprobung fern, weil er in Berlin Wahlkampf für einen Parteifreund machen musste. So stellte der Abteilungsleiter für Digitales im Gesundheitsministerium, Gottfried Ludewig, und der Projektmanager der Firma IBM, Ronald Fritz, die Anwendung vor, die zumindest theoretisch denkbar einfach ist.

Künftig bekommt jeder Impfling nach dem Piks einen Zettel mit einem QR-Code. Er soll in die Corona-Warn-App oder die neue CovPass-App eingescannt werden und ersetzt dann den gelben Impfpass. Wer kein Smartphone hat, faltet den Zettel mit dem Code zurecht und hat dann eben einen neuen Pass auf Papier.

Wer bereits geimpft ist, bekommt den Code entweder vom Impfzentrum zugeschickt oder erhält ihn in einer Apotheke oder vom Impfarzt. Das ist zumindest jetzt der Plan. Konkret muss noch an der Software gearbeitet werden. Wer den Pass mittels Smartphone-App oder auch als Zettel vorlegt, soll damit in ganz Europa klarkommen – ein Umstand, auf den die Organisatoren besonders stolz sind. „Damit haben wir hier das weltweit größte Gebiet, das man mit nur einem einzigen Impfpass bereisen kann“, sagte Ludewig am Donnerstag.

Der deutsche digitale Impfpass ist übrigens blau und nicht grün wie das EU-Zertifikat. Das soll angeblich einer langen Überlegung entsprungen und nicht der Tatsache geschuldet sein, dass die Firmenfarbe von IBM zufällig blau ist. „Alle Länder suchen sich eigenen Farben für ihren Impfpass aus“, sagte Ludewig. Er betonte, dass es ein großer Erfolg sei, dass in Deutschland ein Feldversuch nur eine Woche nach der europäischen Einigung auf die technischen Zertifikate starte. Allerdings haben viele Länder bereits seit geraumer Zeit Pilotversuche laufen.

In Deutschland startet der Test gemächlich. In jedem Bundesland wird genau ein Testzentrum ausersehen, in dem pro Tag genau 30 Impflinge den QR-Code ausgehändigt bekommen. Dennoch soll an dem Versprechen festgehalten werden, dass Ende Juni jeder, der voll geimpft ist, auch einen digitalen Impfpass hat.