Berlin - Eigentlich ist die Sache ganz einfach. Wer in einem Restaurant essen will, ruft bei der Bestellung das Impfzertifikat auf dem Handy auf. Die Kellnerin oder der Kellner kontrolliert, und dem auswärts Essen steht nichts im Wege, selbst wenn die Coronazahlen wieder steigen. So wird es bereits in vielen europäischen Städten praktiziert. Manche Lokale kontrollieren auch schon bei uns. Demnächst wird es wohl überall so sein.

Der digitale Impfnachweis funktioniert reibungslos. Man hat allerdings schon wieder vergessen, wie schwierig es war, ihn zu bekommen. Denn die Impfungen gab es zuerst, die digitalen Zertifikate später. Man musste zur Apotheke, das gelbe Impfbuch vorlegen und sich einen QR-Code ausstellen lassen, der sich dann wiederum in der Cov-Pass-App einscannen ließ. Komplizierter geht es nicht.

Willkommen im digitalen Zeitalter der Bundesrepublik Deutschland. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass irgendetwas digital geht in diesem Land. Auf dem Feld der Digitalisierung hängen wir meilenweit zurück. Überall. An der Bürokratie merkt man es nur am meisten.

Der Bund der Steuerzahler hat das zu Recht gegeißelt. Denn auch so ein kleines Ding wie der elektronische Impfnachweis verursacht millionenfache Mehrkosten. 60 Millionen Impfdosen sind bereits verabreicht gewesen, als er eingeführt wurde. Ärzte und Apotheker erhielten aber bis zu 18 Euro pro Zertifikat. Das summiert sich. Es mussten Briefe verschickt werden. Die wahren Kosten sind also noch viel höher. Das alles wäre uns erspart geblieben, wenn wir eine elektronische Patientenakte hätten, die den Impfpass enthält, wie vor vielen Jahren beschlossen.

Der Vorwurf, die Digitalisierung zu verschlafen, trifft allerdings nicht nur die Politik. Wenn es um Amtliches geht, wehren sich nur allzu viele. Sie haben kein Problem damit, Google ihre Daten anzuvertrauen, aber dem Staat trauen sie nicht. Das müsste sich ändern.