Union-Präsident Dirk Zingler platzte auf der Pressekonferenz des 1. FC Union Berlin der Kragen. Er nahm sich die Corona-Politik vor und attackierte mit scharfen Worten die Grundeinstellung der politischen Führung in Deutschland. Jan Reinold hat für die Sportzeitschrift Kicker die Rede Zinglers aufgezeichnet. Wir dokumentieren die wichtigsten Passagen:

Keine politische Führung

„Unser Land ist in einem katastrophalen Zustand, weil es katastrophal geführt wurde und katastrophal kommuniziert wurde.“

Abwälzen der Verantwortung

„Wir erleben Pressekonferenzen der Ministerpräsidenten - und drei Wochen später eine Verordnung, die nichts mehr von dem enthält, was auf den Pressekonferenzen gesagt wurde. Es war für mich nicht vorstellbar, wie schlecht dieses Land geführt wird. Das Abwälzen der Verantwortung auf Menschen, Veranstalter und Unternehmer ist kaum noch zu ertragen. (…) Es wird sich aufgeregt über volle Stadien. Aber wir regen uns nicht auf über lange Schlangen an Impfzentren, die mit zu geringer Kapazität und zu wenig Impfstoff arbeiten.“

Attacken gegen Kimmich: Ein Skandal

„Ich kann mich daran erinnern, dass Karl-Heinz Rummenigge vor einem Jahr gesagt: Lasst uns als Fußballer als Vorbild vorangehen und uns impfen. Es gab eine Empörungswelle darüber, dass sich die Profifußballer vordrängeln würden. 18 Monate danach wird ein einzelnes Mitglied einer Berufsgruppe, die einen Impfstatus von über 90 Prozent hat, an den Pranger gestellt, weil er noch nicht geimpft ist. So absurd ist die Corona-Politik in diesem Land geworden. (…) Dass sich unsere Bundesregierung mit einer Einzelperson einer Berufsgruppe befasst, die zu 90 bis 95 Prozent geimpft ist, ist ein Skandal - und nicht Joshua Kimmich. Wenn wir gesellschaftliche Solidarität einfordern, soll das Land mal liefern, dann soll der Staat solidarisch mit seinem Volk sein und seine Hausaufgaben machen: Impfstoff zur Verfügung stellen, 30.000 Pflegekräfte einstellen und Krankenhausbetten organisieren. Danach kann er Solidarität von seinem Volk einfordern.“

Infektionen durch Verbieten stoppen: „Da fehlen mir die Worte“

„Der Profifußball ist nicht in der Lage, liefern zu müssen, sondern liefern muss der Staat - durch vernünftige Kommunikation und vernünftige Corona-Politik. (…) Ich habe 2021 fünf Wochen lang jeden Tag Stunden auf einer Intensivstation verbracht (aufgrund eines Krankheitsfalls im engsten persönlich Umfeld, Anmerkung der Kicker-Redaktion.). Ich weiß, wovon ich rede, ich weiß auch, was für eine Belastung die Schwestern und Pfleger haben. Mir brauchen sie nichts erzählen. Nicht der Fußball ist das Problem. Das Problem ist, dass wir in der Pandemie 30.000 Pflegkräfte und 6000 Betten verloren haben. Der Staat muss erst einmal seine Hausaufgaben machen, dann kann er die Grundrechte bei den Menschen einschränken. Dann habe ich auch Verständnis dafür und das Gefühl: Du hast alles untersucht, Staat, du bist an die Grenzen des Möglichen gegangen. (…) Da setzt sich eine Gesundheitssenatorin (Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci, d. Red.) hin und sagt: Ich würde am liebsten noch mehr verbieten. Da fehlen mir die Worte. Dieser Ansatz, dass ich nur durch Verbieten Infektionen vermeiden kann, da hört es bei mir leider auf.“

Vollchaos statt Rechtsstaat

„Ich wünsche mir eine klare Führung. Durch Krisen muss geführt werden, und dabei muss gut kommuniziert werden. All das tun wir nicht. Wenn der Bundestag etwas mehrheitlich beschließt und es wird zum Gesetz, dann ist es so. Wir sind aber im Vollchaos. Ich bin froh, dass diese abgewählte Regierung endlich abtritt und wir hoffentlich einen Neuanfang kriegen.“

Söder: „Der Clown aus München“

„(Es gab ein…) professionelles Führen von Koalitionsgesprächen, ohne dass etwas durchsickert. Ich erlebe ein gewisses Maß an Professionalität. Ich muss nicht mit allen Ergebnissen einverstanden sein. Und wenn dieser Clown aus München nicht mehr dabei ist, scheint ja die Bild-Zeitung keine Nachrichten mehr zu bekommen. Das erfreut mich.“