Bei der CDU singen sie die Nationalhymne schon immer zum Abschluss ihrer großen Veranstaltungen. Jetzt soll das „Lied der Deutschen“ endlich auch Verfassungsrang bekommen, jedenfalls seine dritte Strophe „Einigkeit und Recht und Freiheit…“. Das hat die Junge Union für den Parteitag in der kommenden Woche beantragt, und so werden die Delegierten es wohl beschließen.

Dieses Bekenntnis zur Nationalhymne sei jetzt das richtige Zeichen, hat der JU-Vorsitzende Paul Ziemiak erklärt, „gerade jetzt, wo so viele Menschen in unser Land kommen“. Klar, da muss man das „im Glanze nationalen Glückes blühende deutsche Vaterland“, wie August Heinrich Hoffmann von Fallersleben 1841 auf Helgoland gedichtet hat, erst recht noch einmal besingen.

Diskussion wurde schon mehrfach geführt

Es gehört zu den Besonderheiten der Geschichte der deutschen Teilung nach 1949, dass die Hymne bisher im Grundgesetz nicht vorkommt. 1950 konnten sich Kanzler Konrad Adenauer und Bundespräsident Theodor Heuss nur mit Mühe auf die dritte Strophe des Deutschlandliedes mit der Musik von Joseph Haydn als Hymne verständigen.

Heuss hatte einen tiefen Widerwillen gegen das Lied, dessen erste Strophe „Deutschland, Deutschland über alles in der Welt“ während der nationalsozialistischen Herrschaft oft der Nazi-Hymne „Horst-Wessel-Lied“ vorangestellt wurde. Und bis heute grölen fanatisierte Fußballfans bei Länderspielen genau diese Zeilen, verboten sind sie ja nicht. Aber Heuss fügte sich schließlich in einem Briefwechsel mit Adenauer.

1990 stand die Frage der Hymne des wieder vereinigten Deutschland dann neu. Vor allem Bürgerrechtler aus der DDR, aber auch Wolf Biermann, Peter Brandt oder Antje Vollmer plädierten für ein neues Lied und schlugen die „Kinderhymne“ von Bertolt Brecht vor, die er 1950 als Gegenentwurf zur westdeutschen geschrieben hatte, Hanns Eisler vertonte sie.

Allerdings hatte Brecht für „Anmut sparet nicht noch Mühe“ bewusst das gleiche Versmaß wie Hoffmann von Fallersleben gewählt, sodass auch die Kinderhymne zur vertrauten Musik von Haydn gesungen werden kann – wie übrigens auch die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ von Johannes R. Becher. Schon Ende der 1970er Jahre lobte der westdeutsche Publizist und Politikwissenschaftler Iring Fetscher Brechts Werk: „...es gibt wohl keine Hymne, die die Liebe zum eigenen Land so schön, so rational, so kritisch begründet, und keine, die mit so versöhnlichen Zeilen endet“.

SPD lehnt ab

Doch die westdeutsche Dominanz des Vereinigungsprozesses siegte auch hier. 1990 verständigten sich Kanzler Helmut Kohl und Bundespräsident Richard von Weizsäcker wiederum in einem Briefwechsel darauf, dass alles beim alten, beim Deutschlandlied, dritte Strophe bleiben solle. Der Bundestag hatte wieder nichts dazu zu sagen. Er ergänzte das Grundgesetz nur um die Bestimmung: „Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin“ – von der Hymne keine Rede.

Vieles spricht dafür, dass dies auch so bleibt, selbst wenn die CDU anderes beschließt. Denn für eine Grundgesetzänderung bedürfte sie der Zwei-Drittel-Mehrheit, und aus der SPD wird Ablehnung signalisiert: Das sei Symbolpolitik, „wir sollten reale Alltagsprobleme der Menschen lösen, nicht Scheinprobleme", befand der stellvertretende Vorsitzende Ralf Stegner. Die SPD singt zum Abschluss ihrer Parteitage eine eigene Hymne: „Wann wir schreiten Seit an Seit…“