Köln - Um die Beendigung einer Kooperation zwischen der türkisch-islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) und dem nordrhein-westfälischen Innenministerium ist ein Streit entbrannt. Die Organisation war Träger des Kölner Standortes des Präventionsprogramms „Wegweiser“, mit dem Jugendliche vor dem Abdriften in den gewaltbereiten Salafismus geschützt werden sollen.

Der Kündigung vorausgegangen war eine Affäre um einen Comic der türkischen Religionsbehörde Diyanet, in dem der Märtyrertod verherrlicht wird. So heißt es in einer Antwort des Innenministeriums auf CDU-Anfrage, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt. In einer vom Ditib Landesverband NRW angeforderten Stellungnahme habe „keine notwendige klare Neutralität bzw. ausreichende Distanz“ dazu festgestellt werden können.

In dem Comic erklärt ein Vater seinem Sohn, wie toll es ist, ein Märtyrer zu werden und dass er selber, falls sich eine Möglichkeit dafür bieten würde, gerne einer werden würde. „Märtyrer sind im Himmel so glücklich, dass sie zehnmal Märtyrer sein wollen", zitierte die mittlerweile verbotene türkische Zeitung „Cumhuriyet“  vor einigen Monaten aus dem Comic. Oder: "Ich wünschte, ich könnte auch ein Märtyrer sein."

Man sei „irritiert“ von der Darstellung des Ministeriums, entgegnete ein Sprecher des Ditib-Landesverbandes auf Anfrage. Der Sachverhalt sei  „unvollständig“, „irreführend“ und „in der Sache letztlich vollkommen falsch“ dargestellt worden. „Das ist jedenfalls nicht der Grund, weshalb die Wegweiser-Zusammenarbeit auf beiderseitigem Wunsch und einvernehmlich aufgelöst wurde“, so der Sprecher. Der Verband werde jetzt das „Gespräch mit dem Ministerium suchen, um die Sache aufzuklären“.

Fragen nach den Gründen, aus denen die Kooperation aus Sicht des Verbandes denn tatsächlich beendet wurde, wollte der Sprecher „derzeit noch nicht beantworten“.

Das Wegweiser-Projekt, das Standorte in zahlreichen nordrhein-westfälischen Städten wie Bochum, Bonn und Düsseldorf hat, wird trotz der Auseinandersetzungen wohl auch in Köln realisiert werden. „Derzeit finden mit der Stadt Köln Gespräche statt, um die Beratungsarbeit so schnell wie möglich mit einem neuen Träger fortzuführen“, heißt es in der Ministerantwort. Im Oktober solle der Wechsel dann vollzogen werden.

Zweifel an Anerkennung als Religionsgemeinschaft

Auch die mögliche Anerkennung der Ditib als Religionsgemeinschaft wird derzeit kontrovers diskutiert. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) jedenfalls ist nach der harschen Reaktion von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan auf den Putschversuch in der Türkei auf Distanz zu der Islam-Organisation gegangen. „Es verstärken sich die Zweifel, dass die Ditib den Kriterien zur Einstufung als Religionsgemeinschaft entspricht“, so Kraft.

Derzeit wird vor allem untersucht, ob der größte deutsche Moscheeverband nicht lediglich der verlängerte Arm der türkischen Regierung in Deutschland ist. Denn die Ditib gilt als eine Art Auslandsabteilung des türkischen Religionsministeriums.  Zur Disposition steht damit auch die Beteiligung des Verbandes am Schulunterricht in NRW. Als einer von acht Mitgliedern sitzt die Ditib im Beirat, der sich mit den Inhalten für den Islamunterricht beschäftigt.