Washington - Die Bilder am Rande des „Indigenous Peoples March“ in Washington sorgen nicht nur in den USA für Unverständnis: Zu sehen sind mehrere Schüler, die einen Ureinwohner zu umzingeln, bedrängen und provozieren scheinen. „Baut die Mauer, baut die Mauer“, schreit einer der Jugendlichen, mit einer „Make America Great Again“-Mütze bekleidet, einem Teilnehmer der Demonstration entgegen.

Der 64-jährige Nathan Phillips, der sich auf der Veranstaltung für die Rechte der US-amerikanischen Ureinwohner einsetzte, ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und setzte seinen Gesang und das Musizieren fort. 

Gegenüber der „Washington Post“ äußerte er sich später zu dem Vorfall. „Es wurde hässlich und ich dachte mir, dass ich einen Weg aus dieser Situation finden muss“, sagte der Vietnam-Veteran der Zeitung. „Es wäre schön, wenn sie diese Energie lieber dafür investieren würden, unser Land wieder großartig zu machen und denen zu helfen, die hungrig sind“, sagte Phillips in einem Instagram-Video.

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Das Verhalten der Jugendlichen, die in Washington ursprünglich an dem „March for Life“ gegen Abtreibung teilgenommen hatten, wurde in den Sozialen Netzwerken scharf kritisiert. Auch Prominente wie Sängerin Pink verurteilten den Vorfall: „Erschreckend und wirklich respektlos. Eklig. Was wird dagegen getan?“, schrieb sie bei Instagram.

Schüler selbst Opfer von Anfeindungen

Nachdem der Ärger im Netz bereits seine Runden gemacht und auch die katholische Schule der Jungen in Kentucky auf das Video reagiert hatte, verbreitete sich jedoch eine andere Version des vermeintlich rassistischen Vorfalls.

Demnach waren die jungen Schüler zunächst selbst Opfer von Anfeindungen. Während sie nach einer Demonstration von Abtreibungsgegnern auf die Heimreise warteten, wurden sie nach Darstellung einiger Schüler von einer Gruppe schwarzer Aktivisten, Angehörigen der Sekte der „Schwarzen Hebräer“, angegangen und beschimpft. Die Schüler begegneten den Beleidigungen mit Gelächter.

In diese Situation soll sich dann Nathan Philips gemischt haben, der sich zwischen die beiden Gruppen stellte, um den Konflikt zu lösen. Eine längere Version des kursierenden Video-Clips zeigt, wie sich Philipps, offenbar aus einem Missverständnis der Situation heraus, gegen die Schüler wendet. Mit dieser Perspektive ist die Reaktion der Schüler mit Irritierung zu erklären. (rnd, red)

Anm. der Redaktion: Der Artikel wurde in einer zweiten Version um die neuen Erkenntnisse zum vorangegangen Konflikt erweitert.