Die 1922 gegründete Zeitschrift „Foreign Affairs“ ist die „Strategiezeitschrift der amerikanischen Außenpolitik“ schlechthin. Jetzt ist die erste Ausgabe in der Ära Trump erschienen. Sie wird geführt als die Ausgabe vom 1. April 2017. Ihr Titel ist „Trump Time“. Auf sechzig Seiten von 219 beschäftigen sich zwölf Autoren mit Donald Trump, mit dem, was er sagt, mit dem, was er tun  sollte und ein ganz klein wenig – das liegt am gar zu frühen Redaktionsschluss –   mit dem, was er tut. Gleich nach dem Trump-Dossier folgt ein Artikel, der sehr gut noch dazugehören könnte: „How America Lost Faith in Expertise“. Jede Zeile verweist stumm auf den neuen Präsidenten, der sich null um die Meinung von Experten kümmert und schon gar nicht um das gesammelte Wissen der Foreign-Affairs-Spezialisten, die in seinen Augen ja wesentlich dazu beigetragen haben, dass Amerika nicht mehr so stark  und groß ist, wie es war, und wie es unter seiner Präsidentschaft wieder werden soll.

Das Trump-Dossier selbst beginnt mit einem Artikel, der deutlich zu machen versucht, wie gewaltig die Wende ist, die Donald Trump für die Außenpolitik der USA bedeutet. Bisher, so schreibt Walter Russell Mead, Professor für „Foreign Affairs and Humanities“ – schon das ein Affront in der Trump-Welt -, gab es, bei allen sehr massiven Auseinandersetzungen um die richtige US-Außenpolitik, doch eine einhellige Überzeugung. Die USA waren verantwortlich für den Lauf der Welt. Sie hatten sich überall um Krieg und Frieden zu kümmern. Der Streit ging niemals darum, ob das richtig war, sondern nur darum, wie man dieses Ziel am besten erreichen konnte. Jetzt aber, so Mead, schlägt Donald Trump eine völlig andere Orientierung der USA vor. „Make America Great Again“ heißt nicht die imperiale Bedeutung der USA stärken, sondern die USA selbst stark zu machen. Die zahlreichen Interventionen  haben, so Trump, das Land geschwächt. Je stärker es sich international gebärdete, desto labiler wurde es. Mead schreibt es nicht, aber bei seiner Darstellung der Trumpschen Position erinnert der Leser sich, wie die Sowjetunion an ihrem Engagement in Afghanistan, am „Krieg der Sterne“ scheiterte. Warum sollte es den USA anders gehen? So bekommt Trumps Sicht, so fatal sie für den Status Quo in der Welt aussieht, doch ein rationales Moment.

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