Washington - Geahnt hat man es schon lange: Der Mann ist narzisstisch gestört und dem Amt weder moralisch noch intellektuell gewachsen. Dass diese Beobachtung nun durch einen anonymen Brandbrief und ein Enthüllungsbuch bestätigt wird, ist gleichwohl höchst beunruhigend. Offenbar agiert Donald Trump hinter verschlossenen Türen inzwischen so befremdlich, dass selbst seine engsten Berater nicht mehr stillhalten. Der mächtigste Mann der Welt, so ihr Fazit, hat sich selbst und seine Regierung nicht unter Kontrolle.

Ein alarmierender Zustand. Gemessen daran fällt der Coup des Regierungsvertreters, der sich nun in der New York Times anonym zum Widerstandskämpfer stilisiert, reichlich feige aus. Offenbar arbeitet er wie andere Beamte und selbst Minister tatsächlich durch leisen Ungehorsam daran, die schlimmsten Auswüchse der Präsidentschaft abzumildern.

Mutlosigkeit führt zu noch mehr Chaos im Weißen Haus

Doch vorsichtshalber bleibt er persönlich auf Tauchstation und ermöglicht damit Trump das politische Überleben. Schlimmer noch: Unfreiwillig stachelt er mit seiner Illoyalität Trumps Paranoia sogar weiter an und liefert ihm einen Vorwand, noch autokratischer und rücksichtsloser durchzuregieren.

Der Vorgang illustriert das traurige Dilemma der Konservativen in den USA. Ihre Partei, die Republikaner, sind zu einem opportunistischen Präsidenten-Wahlverein verkommen. Erschreckend viele Vertreter glauben immer noch, sie könnten mit Hilfe des wirren Wüterichs zentrale Anliegen ihrer Agenda umsetzen. Sonntags weinen sie dem Kriegsveteranen John McCain nach.

Montags hofieren sie Trump, der ihr Idol verhöhnte. Solange Senatoren und  Minister nicht den Mut haben, Trump mit offenem Visier entgegenzutreten, wird es immer chaotischer werden im Weißen Haus. Aber Besserung ist nicht in Sicht.