Donald Trump ist im Laufe seines Berufslebens viel herumgekommen in der Welt. Durch Weltläufigkeit ist der neue US-Präsident gleichwohl noch nicht aufgefallen. Befindlichkeiten anderer Länder interessieren ihn wenig. Auch mit der Geographie steht Trump auf Kriegsfuß:  Im Wahlkampf 2016 sagte er, dass Belgien „eine schöne Stadt“ sei.

Am Donnerstag reist Trump nach Brüssel

Gerade tourt der 70-Jährige durch den Nahen Osten und Europa. Am Donnerstag wird er die Gelegenheit haben, sich ein Bild von Belgien und seiner – mäßig schönen – Hauptstadt Brüssel zu machen: Die Nato hat einen Mini-Gipfel der Staats- und Regierungschefs organisiert. Anlass ist die Übernahme des neuen Hauptquartiers im Osten der Stadt.

Der moderne Gebäudekomplex steht direkt gegenüber von der alten, zugigen Barackensiedlung, die bislang die politische Zentrale des Verteidigungsbündnisses beherbergt.

Trumps erster Europa-Besuch als Präsident

Es ist der erste Europa-Besuch Trumps in seiner neuen Funktion. Er wird ihn für Speed-Dating nutzen: In Brüssel soll er die Staatslenker der 27 anderen Nato-Mitglieder kennenlernen, sofern sie ihm noch keine Aufwartung in Washington gemacht haben.  Bei einem gesonderten Termin kommen auch die beiden wichtigsten Köpfe der Brüsseler EU-Institutionen, Ratspräsident Donald Tusk und Kommissionschef Jean-Claude Juncker, mit Trump zusammen.

Beide Treffen sind denkbar knapp gehalten: Juncker und Tusk dürfen rund eine Stunde mit dem Amerikaner reden. Bei der Nato gibt es am späten Nachmittag eine kurze Zeremonie am neuen Hauptquartier und dann ein Arbeits-Abendessen. In Brüssel heißt es, dass die Repräsentanten der Nato-Partner angehalten seien, ihre Wortbeiträge auf zwei bis vier Minuten zu beschränken. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass der Präsident überfordert werde. Auch eine Abschluss-Erklärung wird es wohl nicht geben. In solchen Dokumenten kommt es auf Details und sprachliche Nuancen an. Das ist nicht Trumps Welt.

Gute Miene zum bösen Spiel

Trumps Amtsübernahme hat die transatlantischen Beziehungen kräftig durcheinandergewirbelt. Die Europäer betrachten sein Wirken mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Abscheu und müssen dennoch gute Miene zum bösen Spiel machen. Trump findet den Brexit gut. Das geplante Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Trump glaubt, sein Land durch Abschottung stärken zu können. 

Und was die Nato betrifft, so ist immer noch nicht so richtig klar, ob der Präsident mit dem Bündnis überhaupt etwas anzufangen weiß. Bevor er ins Weiße Haus einzog, bezeichnete er die Allianz als „obsolet“, um dann später zu betonen, dass sie das doch nicht sei.

Trumps Russlandnähe besorgt Europäer

Trumps Außen- und Verteidigungsminister versichern den Partnern bei jeder Gelegenheit, dass die amerikanischen Sicherheitsgarantien für Europa selbstverständlich weiterhin gelten. So richtig beruhigend ist das angesichts der Sprunghaftigkeit des Präsidenten aber nicht. Vor allem in den östlichen Nato-Staaten nimmt man überdies besorgt zur Kenntnis, dass Trump und seine Leute offenbar sehr gut mit den Russen können – so gut, dass der Chef beim Besuch russischer Gäste im Weißen Haus schon mal Geheimdienst-Informationen ausplaudert.

Doch abseits aller atmosphärischen Störungen gibt es auch drängende Fragen, die politisch behandelt werden müssen. Die Amerikaner machen weiter Druck, dass die Europäer ihre Verteidigungsausgaben erhöhen und so mehr Verantwortung für die gemeinsame Sicherheit übernehmen. Zudem steht eine Entscheidung darüber an, ob die Nato wieder mehr Soldaten nach Afghanistan schickt. Nach dem Anschlag von Manchester dürften auch die Rufe nach einer stärkeren Beteiligung der Allianz am Anti-Terror-Kampf lauter werden.

Es gibt also genug zu besprechen beim Brüsseler Mini-Gipfel. Die Europäer sind bescheiden geworden: Geht das Treffen ohne größere Peinlichkeiten zu Ende, kann man dies als Erfolg betrachten.