Im US-Senat verhandelten Republikaner und Demokraten über das Hilfspaket. AFP
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WashingtonDie politischen Führer in Washington rücken angesichts der großen Herausforderungen für das Land nicht näher zusammen, sondern eher auseinander. Kaum etwas illustriert das mehr als das 47-zu-47-Stimmen-Patt im US-Senat bei der Abstimmung über das zwei Billionen Dollar schwere Corona-Hilfspaket.

Statt die Zusammenarbeit mit den Demokraten zu suchen, versuchte der republikanische Senatsführer Mitch McConnell das Gesetz im Alleingang durchzupeitschen. Jetzt muss er einen neuen Anlauf nehmen. Dabei muss er auf Rand Paul verzichten, der als erster Senator positiv auf Corona getestet wurde. Auch fehlt McConnell die Stimme von Mitt Romney, der sich nach Kontakt mit einem Infizierten in Selbstquarantäne zurückzieht.

Krieg gegen den „unsichtbaren Feind“

US-Präsident Donald Trump hatte am vergangenen Donnerstag die Hilferufe der Gouverneure aus den bisher am härtesten von der Corona-Pandemie betroffenen Bundesstaaten nach mehr Schutzausrüstung und medizinischen Gütern giftig abblitzen lassen. „Wir sind kein Versand-Personal“, sagte Trump.

Es dauerte bis zum Sonntag, ehe der Präsident die Mobilisierung der Nationalgarde für die Bundesstaaten Washington State, New York und Kalifornien und die Errichtung von viertausend zusätzlichen Krankenbetten in Notfall-Zentren genehmigte. Bei einem Auftritt im Weißen Haus inszenierte sich Trump als „Präsident in Kriegszeiten“. Es sei ein anderer Krieg, als jeder, den die USA bisher geführt hätten. Obwohl Trump von einem „unsichtbaren Feind“ sprach, gab er diesem einen Namen: „Das chinesische Virus“. Dieses müsse mit „jedem Mittel, das uns zur Verfügung steht“ bekämpft werden.

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Zorn des Spezialisten

Statt die Nation und Welt in der Krise zusammenzubringen, spaltet Trump. Und gefährdet damit Menschenleben. Zumal die USA dringend auf die Kooperation Chinas angewiesen sind, das als einziges Land kurzfristig Schutzmaterial bereitstellen kann.

Während Trump seine Briefings zu einem gefährlichen Happening verwandelt, bei dem er weder Abstand hält noch auf Händeschütteln verzichtet, versuchen Experten wie Anthony Fauci vom National Institut of Health, das Schlimmste zu verhindern.

Frustration über Trump

Der 79-jährige Infektion-Spezialist korrigiert immer wieder Aussagen, die fehlerhaft sind oder falsche Erwartungen wecken. Am Sonntag ließ Fauci seiner Frustration über den Commander in Chief freien Lauf. Wenn „nicht wahre und nicht faktische“ Dinge gesagt würden, dann müsste dies bei nächster Gelegenheit korrigiert werden. „Ich kann nicht vor das Mikrofon springen und ihn auf den Boden werfen.“