Das hatten wir doch schon mal. Ein US-Präsident nutzt die Bühne der Vereinten Nationen, um die Weltgemeinschaft auf einen Krieg vorzubereiten, von dessen Notwendigkeit nur er selbst und ein kleiner Beraterkreis überzeugt sind.

Es war im Herbst 2002, und George W. Bush drohte Saddam Hussein. Wenige Monate später begann die Invasion der US-Army in den Irak. Hunderttausende Menschen sind seitdem gestorben, und der Nahe Osten muss eine Krise mehr ertragen, die auch nach 15 Jahren nicht beigelegt ist.

Ähnliches könnte sich wiederholen. In seiner ersten Rede vor der UN-Generalversammlung hat US-Präsident Donald Trump den Atom-Deal mit dem Iran in Grund und Boden gerammt. Er hat das Abkommen eine „Schande“ für die USA genannt und damit gedroht, es demnächst faktisch aufzukündigen. Das wäre ein Wahnwitz.

Abkommen mit Iran ist hart erkämpft

Mehr als ein Jahrzehnt haben die fünf ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat, darunter die USA, und Deutschland mit Teheran verhandelt und schließlich eine Vereinbarung getroffen, die den Bau einer Atombombe im Iran derzeit verhindert. Und es gibt keinen einzigen Beleg dafür, dass sich der Iran nicht an den Vertrag hielte.

Trumps Begründung, der Iran wirke in der Nahost-Region – siehe Syrien – destabilisierend und verstoße damit gegen den Geist des Abkommens, überzeugt nicht. Der Vertrag handelt im Kern ausschließlich vom Atomprogramm, nicht von der Außenpolitik Irans, die man zu Recht kritisieren kann und sogar muss.

Der US-Präsident spielt ein gefährliches Spiel. Nicht nur würde er sein Land international isolieren und dem iranischen Regime eine Gelegenheit geben, sich als Opfer zu gerieren, worin die Ajatollahs geübt sind. Der Iran, davon kann man ausgehen, würde sein Atomprogramm wieder aufnehmen und erneute Verhandlungen ablehnen. Die Kriegsgefahr würde steigen.

Schlimmer noch wären die Auswirkungen in Asien: Wer wollte ernsthaft noch glauben, dass Trump im Konflikt um das real existierende nordkoreanische Atomprogramm tatsächlich an einer diplomatischen Lösung interessiert ist, wenn er schon eine Krise eskaliert, die im Grunde keine mehr ist. Und wofür das alles? Für den billigen Applaus seiner Anhängerschaft in den USA.

Regierte die Vernunft in Washington, gäbe es kein Problem. Aber in Washington regiert Donald Trump.