Es ist eine mächtige Attacke auf deutsche Arbeitsplätze, unseren Lebensstandard, unser Wirtschaftsmodell mit offenen Grenzen. Sowohl der künftige US-Präsident Donald Trump als auch die britische Premierministerin Theresa May nehmen allen Europäern die letzte Hoffnung, es könne alles nicht so ernst gemeint gewesen sein. Die beiden konservativen Führer meinen es ernst mit ihrer zutiefst nationalistischen Politik, mit ihren Angriffen auf eine internationale Arbeitsteilung zum Wohle aller. Die eine spaltet Europa und will ihre Volkswirtschaft mit einem harten Schnitt vom Kontinent abtrennen. Der andere nimmt es gleich mit der ganzen Welt auf und bereitet die Rückkehr zu einer gefährlichen Abschottungspolitik, zum Protektionismus vor.

Wenige Tage vor seiner Amtseinführung droht Trump offen mit Strafzöllen für Firmen, die es wagen, in Mexiko zu produzieren. Der Zorn des alten Mannes trifft BMW direkt. Aber der Autobauer steht nur beispielhaft für alle Unternehmen, die ihre Chancen auf den Weltmärkten wahrnehmen. Das deutsche Exportmodell, die Grundlage unseres Wohlstands, gerät unter Beschuss. Das Nationale erlebt auch in der Wirtschaftspolitik seine Renaissance – gerade für Deutschland verheißt das nichts Gutes.

May scheint auf Konfrontation umzuschwenken

Bizarr ist, dass zwei konservative Politiker aus angelsächsischen, traditionell liberal geprägten Ländern diese Bewegung wider die Globalisierung anführen. Der Britin May fällt eine besonders merkwürdige Rolle zu, trat sie doch eigentlich gegen den Brexit ein. Nach monatelangem Zögern und Herumeiern aber scheint sie auf die kompromisslose, konfrontative Linie umzuschwenken. So wird es schwer, viel von den Vorteilen der Europäischen Union, des Binnenmarktes und der Freizügigkeit in die Zeit nach der Scheidung zu retten.

Als Überzeugungstäter im Kampf gegen die Globalisierung muss Donald Trump gelten. Natürlich hat der Immobilienunternehmer einen Punkt, wenn er die Abstiegsängste der weißen Mittelschicht aufgreift. Das Problem: Nichts von dem, was Trump angekündigt hat, deutet darauf hin, dass er den um ihren Status ringenden Arbeitern mehr als Rhetorik zu bieten hätte. Seine Steuersenkungen für Konzerne werden diesen Menschen ebenso wenig nutzen wie Strafzölle auf ausländische Produkte. Die verteuern Verbrauchern das Shoppen in Ohio oder Michigan. Sie belasten die heimische Wirtschaft, die weniger günstig Vorprodukte einkaufen kann. Und sie provozieren Reaktionen der anderen Länder, die den scheinbar mächtigen USA schaden können.

Heikel wird es, wenn Trump weiter den Dollar hochredet und diese Aufwertung der eigenen Industrie endgültig ihrer Konkurrenzfähigkeit beraubt. Wenn dann die Jobs gestrichen werden, dürfte Trump kaum die Verantwortung dafür akzeptieren, sondern die Schuld der ausländischen Konkurrenz und der Globalisierung geben. Dann könnte es so richtig losgehen mit Wirtschaftskriegen und einer nationalstaatlichen Wirtschaftspolitik.

Deutsche Konzerne profitieren von Globalisierung

In Deutschland findet ein solcher Kurs noch immer vergleichsweise wenige Anhänger. Alles andere wäre glatter Irrsinn. Die Maschinenbauer in Westfalen und Württemberg, die Chemie- und Autokonzerne und ihre Beschäftigten sind die Gewinner der Globalisierung, weil ihre Produkte in Europa, Asien und Amerika auf große Nachfrage stoßen und somit hervorragend zu dieser Globalisierung passen. Man kann dies das deutsche Glück nennen, muss in diesen Tagen aber leider hinzufügen, dass dieses Glück akut bedroht ist.

Die Regierungen im In- und Ausland stehen vor der großen Aufgabe, das Auseinanderdriften der Gesellschaften zu stoppen und umzukehren. Ein Nationalismus, der sich gegen ausländische Unternehmen, gegen ausländische Produkte und gegen ausländische Arbeitnehmer richtet, trägt aber nichts zu einer fairen Verteilung bei, sondern dient erst recht den Interessen einiger, weniger.