Washington - Chinas Wechselkurspolitik? Kein Problem. Er glaube nicht, dass Peking seinen Yuan manipuliere. Niedrige Zinsen als Gefahr für die Stabilität an den Finanzmärkten? Nicht doch. Und was ist mit Notenbank-Chefin Janet Yellen? Er respektiere und schätze sie. In einem Interview vollzog US-Präsident Donald Trump gleich drei Kehrtwenden. Seine Unberechenbarkeit ist auch in der Wirtschaftspolitik die einzige Konstante. Nach seinen Aussagen in der Wirtschaftszeitung Wall Street  Journal sackten am letzten Handelstag vor Ostern die Aktienkurse und der Dollar gab nach. Die US-Währung markierte zeitweise den tiefsten  Stand seit zwei Wochen.

Trump hält viel von sich

Das liegt im Interesse der Trump-Regierung. Nach seinem  Amtsantritt wertete die US-Währung deutlich auf. „Ich glaube, unser Dollar wird zu  stark“, sagte Trump dazu. Teilweise sei er schuld daran. „Die Leute haben  Vertrauen in mich“, erklärte er in seiner typischen Art. Richtig ist, dass Trump den Dollar hochgeredet hat. Dass Kapital in die USA strömte, ist  aber kein Vertrauensbeweis für den Präsidenten – ganz im Gegenteil.

Tatsächlich spekulierten die Anleger darauf, dass Trump mit schuldenfinanzierten Ausgabenprogrammen und Steuersenkungen die  ohnehin stark ausgelastete US-Wirtschaft zusätzlich ankurbeln werde. Diese Konjunkturpakete sind in der aktuellen Lage fehl am Platz, weil durch sie die Wirtschaft zu überhitzen droht.  Sie würden daher die Notenbank Fed zwingen zu reagieren. Sie müsste die Zinsen schneller und deutlicher anheben, um die wachsenden Inflationsgefahren  zu bekämpfen. Höhere Zinsen aber machen Anlagen im Dollarraum attraktiv – daher die Aufwertung.

Seine Wähler bekommen Probleme

Damit hatte sich Trump ein Eigentor geschossen. Denn der starke Dollar schadet der heimischen Industrie, die an Konkurrenzfähigkeit verliert. Ein Desaster ist das gerade für Trumps Wähler - die weißen Arbeiter in den ohnehin bedrohten  Industriebranchen Amerika. Dem versucht der Immobilienunternehmer nun entgegen zu wirken. Wirklich schwächen könnte er den Dollar aber nur, wenn er sein Programm korrigieren und auf die kreditfinanzierten Steuersenkungen und Investitionspakete verzichten würde. Die Bereitschaft dazu lässt er bislang nicht erkennen  – allerdings könnte der Kongress in Washington die Pläne noch durchkreuzen.

Neu positionierte sich Trump auch zu Notenbankchefin Yellen. Lange diente sie ihm als Feindbild, weil sie mit einer extrem lockeren Geldpolitik aus seiner  Sicht Blasen  an den Märkten produzierte. Jetzt   richtete er den Wunsch an die Fed, mit weiteren Leitzinserhöhungen vorsichtig zu  sein, um den Dollar nicht  weiter zu stärken. Und so freundlich äußerte er sich über Yellen, dass die Spekulationen zunehmen,  sie könnte doch noch eine weitere Amtszeit bekommen.  

Und dann ist da noch China, dem Trump bisher unfaire Handelspraktiken  durch eine künstlich verbillige Währung  vorwarf. Nun braucht er die Unterstützung Pekings, um Druck auf Nordkorea ausüben zu können.  Also ist das mit der chinesischen Währung nicht mehr so schlimm. Was das für die US-Handelspolitik bedeutet, ist  kaum absehbar. Denkbar ist, dass Deutschland mit seinen Exportüberschüssen noch mehr  in den Fokus geraten  könnte. Möglicherweise aber wird Trump in seiner nächsten Rede wieder China attackieren.