Washington - Die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Donald Trump droht zu einem erneuten Beleg der Spaltung der amerikanischen Politik und Gesellschaft zu werden statt ein einigendes Signal auszusenden:

Fast 14 Prozent der 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses, vor allem Mitglieder der Demokratischen Partei, haben bisher mitgeteilt, dass sie an der Amtseinführung am frühen Freitagabend Mitteleuropäischer Zeit nicht teilnehmen werden. Politische Beobachter in den USA können sich nicht erinnern, dass so etwas in der jüngeren Vergangenheit des Landes schon einmal geschehen ist.

Keine Kleinigkeit

Nicht an der feierlichen Vereidigung des neuen Präsidenten teilzunehmen ist keine Kleinigkeit in den USA. Denn der US-Kongress ist nach der Amtseinführung auf den Stufen des Kapitols gewissermaßen der Gastgeber des neuen Präsidenten des Landes. Beide Parteien richten nach der Zeremonie ein gemeinsames Mittagessen für den Präsidenten und den Vize-Präsidenten aus.

Bürgerrechtsikone beleidigt

Unter den etwa 60 Mitgliedern des Repräsentantenhauses, die bislang öffentlich erklärt haben, der Feier fernbleiben zu wollen, ist sticht die 76-jährige Bürgerrechtsikone John Lewis.

Der Demokrat Lewis hatte Trump in einem Interview wegen des Verdachts, dass russische Geheimdienste den Verlauf der Präsidentschaftswahl beeinflusst haben, als illegitimen Präsidenten bezeichnet  und war daraufhin von diesem via Twitter extrem respektlos angegangen worden:

Lewis bestehe nur aus Gerede und handle nicht, warf Trump dem Bürgerrechtler vor, der als junger Mann im Einsatz für die Aufhebung der Rassentrennung seit den 1960er Jahren mehrfach ins Gefängnis gegangen ist und von der Polizei zusammengeschlagen wurde.

Aus Solidarität mit Lewis sagten daraufhin eine Reihe weiterer Mitglieder des Repräsentantenhauses ihre Teilnahme an der Amtseinführung ab.

Andere nennen als Grund für ihre Absage die frauenfeindlichen und rassistischen Äußerungen Trumps im Wahlkampf oder seine Herabwürdigung eines behinderten Reporters bei einer Wahlkampfveranstaltung. Manche geben auch religiöse Gründe für ihre Weigerung an, bei Trumps Einschwörung zugegen zu sein.