Washington - Im Wohnhochhaus des designierten US-Präsidenten an der Fifth Avenue in Manhattan herrscht anfangs noch Ruhe und Ordnung. Doch das ändert sich schnell. Die erste Pressekonferenz, die Donald Trump nach seiner Wahl zum Präsidenten vor zwei Monaten veranstaltet, gerät zu einer zirkusartigen Veranstaltung.

Trump hat Schwierigkeiten seinen Zorn zurückzuhalten

Der Immobilienmilliardär hat arge Schwierigkeiten, seine Emotionen in den Griff zu bekommen. Er ist zornig, weil Gerüchte kursieren, dass die Russen Erpressungsmaterial gegen ihn in der Hand haben sollen. Er ist wütend, weil Medien darüber berichten. „Es ist eine absolute Schande, dass solche Informationen nach außen gelangt sind“, schnaubt Trump: „Das ist alles absoluter Blödsinn“, zusammengeschrieben von „völlig kranken Leuten“. Trump lässt hörbar Luft ab. Er ist in der Defensive, und da will ein Donald Trump nicht sein.

Es geht um einen 35 Seiten umfassenden Report, den das Online-Portal Buzzfeed am Abend zuvor ins Netz gestellt hat. Darin heißt es, dass russische Geheimdienste und Regierungsstellen den New Yorker Geschäftsmann seit Jahren ausgespitzelt haben und über Material verfügen sollen, das den künftigen Präsidenten der Supermacht USA erpressbar machen könnte.

Unter anderem ist von einem Video die Rede, das bizarre Sexpraktiken von Prostituierten zeige. Das Video habe der russische Geheimdienst FSB während Trumps Aufenthalt in einem Moskauer Luxushotel im Jahr 2013 aufzeichnen lassen. Zudem soll Trump von russischer Seite mit guten Geschäften gelockt worden sein, habe diese aber stets abgelehnt.

Bericht soll von britischem Geheimdienstler stammen

Autor des Berichts soll ein ehemaliger britischer Geheimdienstmann sein, der im Auftrag von Trump-Gegnern bei den US-Republikanern und später für das Wahlkampfteam Hillary Clintons arbeitete.

Das Problem: Es werden in dem Bericht keine Quellen genannt. Der Kreml dementiert entschieden, Material über Trump gesammelt zu haben. „Das ist vollkommen ausgedacht, es ist eine Ente“, sagt ein Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Trump selbst dementiert auch entschieden. Er habe keine geschäftlichen Beziehungen zu Russland.

Gleichwohl hielten es die Chefs der vier wichtigsten US-Geheimdienste nach US-Medienberichten für notwendig, Trump Ende vergangener Woche über die Existenz des Berichts in Kenntnis zu setzen. Ob das tatsächlich geschehen ist, dazu möchte der designierte Präsident während der Pressekonferenz nichts sagen.