Köln/Düsseldorf - Der bei der Razzia im Pariser Stadtteil Saint-Denis getötete mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge von Paris hat sich zumindest zwei Mal in Köln aufgehalten. Abdelhamid Abaaoud war von der Bundespolizei am 20. Januar 2014 am Flughafen Köln/Bonn kontrolliert worden, als er von dort nach Istanbul fliegen wollte, bestätigte das Bundeskriminalamt dieser Zeitung. Als belgischer Staatsangehöriger sei er freizügigkeitsberechtigt gewesen.

„Vor diesem Hintergrund bestand keine Möglichkeit der Reiseuntersagung. Er war nicht zur Festnahme ausgeschrieben“, teilte die Behörde schriftlich mit. Ob es damals eine Fahndungspanne gegeben haben könnte, ist unklar. Dem Vernehmen nach hatte Belgien seinen Staatsbürger im sogenannten Schengener Informationssystem zur Kontrolle ausgeschrieben. Sie wollten von den deutschen Behörden wissen, wohin er sich bewegte. Er solle aber weder festgenommen noch aufgehalten werden.

Sieben Jahre zuvor muss sich Abaaoud schon einmal in Köln aufgehalten haben. Er soll bei der Stadt gleich mehrere Ausfuhrkennzeichen für Großfahrzeuge beantragt haben. Warum er damals nach Köln gekommen war, ist völlig unklar. Wie verlautet, hat er sich aber nicht länger in Köln aufgehalten. „Wir sind ganz entspannt, was diese Angelegenheit betrifft“, sagte ein Sprecher der Stadt Köln.

Kampf gegen die Dschihad-Propaganda

Beim Bundeskriminalamt wollte man sich zum Stand der Ermittlungen nicht äußern und verwies auf die Bundespolizei. Man könne nicht beurteilen, ob die Bundespolizei im Januar 2014 habe anders handeln können. Als gesichert gilt aber, das Abaaoud nicht wieder per Flugzeug nach Köln/Bonn zurückgekehrt ist. Bei seiner Kontrolle vor dem Abflug im Januar 2014 soll er angegeben haben, er wolle Freunde und Verwandte in der Türkei besuchen.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat unterdessen angemahnt, im Kampf gegen den islamistischen Terror früher anzusetzen. „Wir sollten der hochprofessionellen IS-Propaganda etwas entgegensetzen“, sagte der Minister am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags. „Wenn man bei Google „Dschihad“ eingibt, kommt kein staatliches Aufklärungsangebot.“ Die IS-Videopropaganda werde dagegen in HD-Qualität weltweit verbreitet. Aus den Reihen der Opposition wurde die Ausrüstung der Polizei kritisiert. Es fehle an durchschlagskräftigen Waffen, sicheren Schutzwesten und gepanzerten Fahrzeugen, sagte der CDU-Abgeordnete Gregor Golland. Die Polizei habe kein fertiges Einsatzkonzept für paramilitärische Angriffe von Terroristen, hieß es in der FDP.

Hass im Netz

Jäger warnte aber auch davor, beim Blick auf die Islamisten die Rechtsextremisten zu vernachlässigen. Es sei eine „eruptive Steigerung der Hass-Hetze im Internet festzustellen“. Die Gefahr, die von den 2000 gewaltbereiten Rechtsextremisten in Deutschland ausgehe, sei „genauso bedenklich“.

Nach der Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover wegen einer Terrorwarnung hat der Generalbundesanwalt am Donnerstag erste Ermittlungen zu den Hintergründen der Geschehnisse aufgenommen. (mit dpa)