Berlin - Oma und Opa, Mama und Papa und die Kinder – dass sie alle zusammen in einem Haushalt leben, gibt es immer weniger. Die Zahl der Haushalte mit drei oder mehr Generationen ist in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren von rund 350.000 auf knapp 210.000 zurückgegangen. Das entspricht einem Rückgang von 40 Prozent. „Mehrgenerationen-Haushalte werden insgesamt immer seltener“, sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Dieter Sarreither, in Berlin.

Wie aber schaut der Drei-Generationen-Haushalt aus – in den Fällen, in denen es ihn in Deutschland überhaupt noch gibt? Wird hier die mittlere Generation dadurch aufgerieben, dass sie sich zum einen um ihre Kinder kümmern muss, zum anderen aber die Alten pflegt? Ist in diesem Fall also der Begriff der „Sandwich-Generation“ treffend, die eingeklemmt ist zwischen den Verpflichtungen gegenüber den Kindern und den eigenen Eltern?

Mittlere Generation profitiert von Mithilfe der Älteren

Die Antwort lautet: Nein, in aller Regel nicht. Denn die ältere Generation in solchen Haushalten ist noch vergleichsweise jung und fit. Das Durchschnittsalter der Großeltern beträgt hier etwas mehr als 67 Jahre, nur sechs Prozent dieser Menschen beziehen Pflegegeld.

Vielmehr ist es an dieser Stelle offenkundig eher so, dass die mittlere Generation von der Mithilfe der Älteren profitiert, wenn es um die Betreuung der eigenen Kinder geht. Denn mit knapp 40 Prozent ist der Anteil der Alleinerziehenden in dieser Konstellation vergleichsweise hoch. Da liegt zumindest die Vermutung nahe, dass in vielen Fällen etwa die Mutter nach der Trennung vom Partner verstärkt auf die Unterstützung ihrer eigenen Eltern setzt.

Viele Erwachsene wohnen nur im nötigsten Fall bei den Eltern

Oder etwas drastischer ausgedrückt: Viele Erwachsene, die eine eigene Familie gegründet haben, empfinden es aller Erfahrung als Zumutung, noch mal mit den eigenen Eltern zusammenzuleben. Sie lassen sich auf diese Konstellation also oft nur ein, wenn es nötig ist. Auch aus Eigeninteresse.

Nicht eingerechnet in diese Zahlen ist übrigens, wenn etwa die Großeltern in einer getrennten Wohnung im selben Haus oder in der Nähe leben und zur Hilfe oft vorbeikommen. Die Statistik des Mikrozensus, für den im Jahr 2015 ein Prozent der Haushalte in Deutschland in einer Zufallsauswahl befragt worden sind, ist dafür, wenn man so will, „blind“. Sie erfasst das Miteinander der Generationen nur, wenn sie im selben Haushalt leben und es eine gemeinsame Haushaltskasse gibt.

Kindererziehung immer noch vor allem Frauensache

Was das Zusammenleben angeht, bleibt die Kleinfamilie, ob klassisch oder Patchwork, die häufigste Konstellation – aber auch sie tritt immer seltener auf. Noch knapp 27 Prozent aller Haushalte in Deutschland sind solche Zwei-Generationen-Haushalte, in denen die mittlere Generation mit den Kindern zusammenlebt. Dabei kümmern sich noch immer vor allem die Frauen um die Kinder. Sie arbeiten in weit höherer Zahl als die Männer in Teilzeit oder bleiben ganz zu Hause.

In geringer Zahl lebt auch die mittlere Generation allein mit den eigenen Eltern in einem Haushalt – ganz ohne Kinder. Dann geht es tatsächlich oft eher um Pflege oder Unterstützung für die Alten.

Da das Zusammenleben mehrerer Generationen in der Familie aber generell auf dem Rückzug ist, liegt der Gedanke nahe, dass es einen verstärkten Bedarf an Mehr-Generationen-Wohnprojekten gibt, in denen Fremde und Bekannte zueinander finden. Vielleicht braucht es aber gelegentlich auch nur ältere Menschen, die eine WG-Gründung wagen – um der Einsamkeit im Alltag zu entgehen.