Münster - In Münster sind am Samstag drei Menschen gestorben, als ein Kleintransporter in eine Menschenmenge fuhr. Unter den Opfern ist auch der mutmaßliche Täter. Das teilte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Samstagabend mit. 

Das Bundesinnenministerium hatte zuvor von vier Toten gesprochen. Laut einer Polizeisprecherin wurden mindestens 20 weitere Menschen verletzt, sechs von ihnen schweben in Lebensgefahr. Zuvor war von Seiten der Polizei von 30 Verletzten die Rede.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will am Sonntag nach Münster reisen, um sich nach der tödlichen Amokfahrt ein Bild von der Lage zu machen. Laschet werde sich vor Ort informieren und den Helfern in Münster seinen Dank zum Ausdruck bringen, sagte ein Sprecher.

NRW-Innenminister: Deutscher Täter, keine Hinweise auf Terror

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich möglicherweise um einen psychisch labilen Einzeltäter. Die Attacke ist nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU) von einem Deutschen begangen worden. Es spreche zudem „im Moment nichts dafür, dass es irgendeinen islamistischen Hintergrund gibt“. Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge wurde die Wohnung des Täters nach Sprengstoff durchsucht. Dafür gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. 

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen ist der mutmaßliche Täter ein Deutscher ohne Migrationshintergrund, der 1969 im Sauerland geboren wurde. Jens R. soll mehrfach psychisch auffällig gewesen sein und offenbar zuvor bereits einen Suizidversuch unternommen haben. In seinem Freundeskreis soll es rechtsextreme Tendenzen gegeben haben, er selbst sei aber nicht als Rechtsextremer auffällig geworden. Die Wohnung des Täters in Münster wurde noch am Abend von Sicherheitskräften durchsucht.

Verdächtiger Gegenstand gefunden 

In dem Transporter sei nach der Attacke ein verdächtiger Gegenstand gefunden worden. Der Tatort wurde deshalb weiträumig abgesperrt, sagte ein Polizeisprecher. Um was für einen Gegenstand es sich handele und ob davon eine Gefahr ausgehe, müsse geklärt werden.

Laut Polizei gab es außerdem Gerüchte, wonach zwei weitere Menschen aus dem Transporter gesprungen und geflüchtet seien könnten. Das sei aber nicht sicher und müsse ebenfalls geprüft werden, sagte ein Polizei-Sprecher am Samstag.

Die Lage sei unübersichtlich, hieß es bei Twitter. Und weiter: „Bitte keine Spekulationen.“ Zu den Hintergründen des Vorfalls machte die Polizei zunächst keine Angaben.

Die Beamten riefen die Bevölkerung am Nachmittag zu besonnenem Handeln auf. Es gebe einen Großeinsatz an der Gaststätte Kiepenkerl. „Bitte den Bereich um den Kiepenkerl meiden. Wir sind vor Ort.“ Wenig später ergänzte sie: „Bitte auch den weiträumigen Innenstadtbereich verlassen, damit die Rettungskräfte in Ruhe arbeiten können.“

Die Uniklinik Münster sammelte kurzfristig am Samstagabend Blutspenden. „Aufgrund des Großeinsatzes in Münster ist unsere Blutspende (...) ab 19 Uhr geöffnet“, schrieb das Krankenhaus bei Twitter. Aus Zeitgründen könnten vorerst aber nur bereits registrierte Blutspender zugelassen werden. 

Der Kiepenkerl ist eine bei Einheimischen und Touristen beliebte und traditionsreiche Gaststätte mitten in der historischen Altstadt von Münster mit ihren vielen schmalen Gassen. Bei gutem Wetter sitzen und stehen dort oft zahlreiche Menschen im Freien. (dpa, beq)