Christian Lindner überrascht zuweilen auch seine eigene Partei.
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StuttgartZum Schluss hat Christian Lindner noch eine Überraschung parat – auch für viele in der eigenen Partei. Einen Tag vor dem Tag der Arbeit, am 30. April, werde die FDP einen bundesweiten Aktionstag machen. „Wir gehen vor die Werkstore“, ruft der Parteichef den Zuhörern beim Dreikönigstreffen der FDP im Stuttgarter Opernhaus zu.

Dort werde jeder Orts- und jeder Kreisverband mit den Menschen darüber sprechen, was ihnen wichtig sei. „Denn man kann nicht nur Wahlkampf machen auf der Couch und auf Twitter“, sagt Lindner. Seine Ankündigung des Aktionstages passt zur der neuen Strategie, verstärkt im Wählerlager der SPD zu fischen.

Begrüßung eines prominenten Neu-Mitglieds

Lindner sagt zwar: „Wir sind keine Arbeiter- und Bauernpartei, so wenig, wie wir eine Apotheker- und Unternehmerpartei sind.“ Er betont aber, die FDP habe den auf die eigene Leistung stolzen Facharbeitern als liberale Partei ein gutes Angebot zu machen. Es sei die „staatspolitische Verantwortung“ der FDP, politisch Heimatlosen eine Alternative zu den Rechtspopulisten zu geben.

Dass die FDP es mit dem Beutezug bei den Sozialdemokraten ernst meint, stellt Lindner an diesem Tag unter Beweis, indem er im Publikum ein neues FDP-Mitglied begrüßt. Es ist der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Gerster. Gerster war von 2002 bis 2004 Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit. Zuvor war er für die SPD Landesminister in Rheinland-Pfalz.

Lindner: „Es ist alles besser als dieser Status quo“

Lindner warnt vor fortgesetztem Stillstand durch die große Koalition. Er geht davon aus, die neue SPD-Führung werde alles versuchen, um sich zu profilieren – auf Kosten der Steuerzahler. Die Union dürfe sich auch nicht „zu irgendeiner törichten Schuldenpolitik erpressen lassen“. Mit Blick auf die große Koalition erklärt Lindner ausdrücklich, es gebe im Parlament Alternativen.

Das Dreikönigstreffen der FDP fand in der Stuttgarter Oper statt.
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Lindners deutliche Botschaft: „Es ist alles besser als dieser Status quo, auch eine zeitweilige Minderheitsregierung oder auch Neuwahlen in diesem Land, denn wir haben keine Zeit zu verlieren.“ Er sagt, die FDP sei bereit zur Übernahme von Verantwortung, wenn die politischen Inhalte stimmten. Der FDP-Chef attackiert auch die Grünen. Sie setzten auf Verbote, stünden links von der Regierungs-SPD.

Teuteberg plädiert für mehr Dialog

Linda Teuteberg, seit April vergangenen Jahres Generalsekretärin der FDP, sagt in einer eher nachdenklichen Rede, die FDP mache „Politik für alle, die Freiheit und Verantwortung“ schätzen. Die Brandenburger Politikerin regte dabei eine stärkere und vorurteilsfreie Debatte zwischen den Menschen in Ost und West an. „Was verbindet uns? Was macht uns aus?“

Es gehe darum, ohne Arroganz in einen Dialog zu kommen – auch über einen „zeitgemäßen Patriotismus“. Am Ende ihrer Rede bekommt Teuteberg lauten Applaus. In der Partei wird aber die Kritik lauter, sie müsse sich stärker und schärfer profilieren.