Dresden - Die CDU/SPD-Landesregierung zeigte sich entsetzt über den neuerlichen Tiefpunkt im Auftreten der angeblich besorgten Bürger. Sie entschuldigte sich anschließend bei den 11- bis 17-Jährigen für die Pöbeleien der Fremdenhasser und selbst ernannten Abendlandretter. Am Montag waren nach längerer Zeit wieder mehr als 5000 Pegidisten in der Dresdner Innenstadt, von denen etliche wie bei vorangegangenen Treffen üblich Politiker als „Volksverräter“, Kanzlerin Merkel als „Hure“ oder Medien als „Lügenpresse“ beschimpften.

Sächsisches Kulturministerium bedauert den Vorfall

"Unsere Gastfreundschaft wurde von Pegida-Demonstranten mit Füßen getreten. Wir verurteilen die Angriffe auf Euch zu tiefst. Es ist beschämend und spricht Bände für emotionale Armut und Kleingeistigkeit dieser Menschen, die Euch bedroht haben“, heißt es in einem Offenen Briefs des Sächsischen Kultusministeriums an die Kinder aus 16 Bundesländern, die an dem Schultheater-Treffen teilnehmen, das eines der größten in Europa ist.

Als die Kinder und Jugendlichen am Montagabend nach der letzten Aufführung aus dem Schauspielhaus kamen, wurden sie sofort von Pegida-Teilnehmern angepöbelt, die in der Nähe ihre seit Oktober 2014 übliche Kundgebung abgehalten hatten. Kinder mussten sich Gebrüll anhören wie „Euch kriegen wir auch noch“ oder „Geht erstmal arbeiten“. Pegida-Anhänger sollen Kinder geschubst und bedrängt haben. Auch der bei Neonazis übliche Spruch „Wer Deutschland nicht liebt, muss Deutschland verlassen“ wurde geschrien. Mädchen wurden angebrüllt: „In 15 Jahren tragt ihr alle Kopftuch.“

Die Polizei musste eingreifen

Offenbar hatte ein Teil der Pegida-Anhänger die Schüler für Gegendemonstranten gehalten und sofort in üblicher Weise losgepöbelt. Ein Mitarbeiter des Kultusministeriums, der das eine Woche dauernde Festival für theaterbegeisterte Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland mitorganisiert hatte, meinte anschließend, einige der Pegidisten hätten sich vor den Kindern aufgebaut, sich Handschuhe übergezogen und bedrohlich mit ihren Fahnenstangen geklopft. Die Szenen seien beängstigend und abstoßend gewesen. Ein Teil der Schüler reagierte und rief daraufhin: „Nazis raus!“ Schließlich mussten Polizisten dazwischen gehen, um Übergriffe der Pegidisten zu verhindern.

„Das ist das Furchtbarste, was ich je erlebt habe“, meinte anschließend eine Schülerin. „Wo ist hier Dresden? Wo ist die Gegendemo?“, fragte eine andere.

Pegida-Anführer Lutz Bachmann, ein mehrfach vorbestrafter Drogenhändler und Einbrecher, sagte laut Sächsischer Zeitung: „Es ist nie zu diesem Vorfall gekommen.“ Da er im Dresdner Polizeibericht vom Dienstag nicht erwähnt wurde, sei er eben auch nicht passiert. Laut Polizei werden im täglichen Bericht aber nur Unfälle, Straftaten oder Personenfestnahmen aufgelistet.

Dass es etliche Augenzeugen für die Pegida-Pöbeleien gegen die Kinder gebe, interessiere ihn nicht. „Das ist mir scheißegal“, so Bachmann. Er behauptete, es sei ganz anders, nämlich umgekehrt gewesen: Die Kinder hätten Pegida provoziert.