Dresden - „Einen Riesenapplaus für Nino“, kündigt Pegida-Anführer Lutz Bachmann den Redner an. Dann steht er auf der Bühne auf dem Dresdner Altmarkt und wettert, was das Zeug hielt: Nino K., ein dünner Schlacks in grauer Windjacke. Er gehöre, wie der „Spiegel“ über ihn geschrieben habe, zum „harten Kern“ von Pegida, stellt er sich der jubelnden Menge vergnügt vor. „Super, super“, antworten Hunderte Zuhörer.

Dann liest Nino K. einen selbst verfassten Brief an Kanzlerin Merkel vor. Typisches Pegida-Geschimpfe, wie man es seit Herbst 2014 montags in Dresdens Altstadt zu hören bekommt: „Sie lassen grüne Politiker unsere Kinder vergewaltigen“, wettert der junge Mann. „Sie lassen faule Afrikaner unsere Sozialkassen plündern.“ Nach neun Minuten endet die Tirade mit dem Vorwurf, Merkel betreibe Hochverrat an Deutschland. „Gnade Ihnen Gott“, ruft der bebende Mann. „Von uns werden Sie keine erhalten.“
Schließlich kommt noch, was alle Pegidisten der Kanzlerin aus tiefstem Herzen wünschen: „Eines Tages werden Sie sich wegen Ihrer Taten gegen das deutsche Volk vor Gericht verantworten müssen.“ Das war im September 2015.

DNA-Spuren vom Tatort stimmen überein

Nach Lage der Dinge wird sich erst einmal Nino K. vor einem deutschen Gericht verantworten müssen. Die Polizei nahm den Dresdner am Donnerstag auf einer hessischen Baustelle fest, wo er auf Montage arbeitete. Er soll der Mann sein, der vor zweieinhalb Monaten Sprengsätze vor der Dresdner Moschee und vor dem Kongresszentrum gezündet hat. Die Ermittler sind sich sicher, den Richtigen gefasst zu haben. Bei zwei Hausdurchsuchungen fand die Polizei Gegenstände, die zur Herstellung von Sprengstoff geeignet sind. Außerdem stimmten DNA-Spuren vom Tatort mit denen des Verhafteten überein. Sprengstoffattrappen, die Ende September 2016 an einer Dresdner Brücke entdeckt wurden, sollen auch von ihm stammen. Die DNA stimme überein, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Dresden mit. Dass der Mann bei Pegida geredet habe, bestätigte Bernd Merbitz, der Leiter des Operativen Abwehrzentrums der sächsischen Polizei.

Pegida-Chef Bachmann, ein mehrfach vorbestrafter Einbrecher, Drogenhändler und Schläger, will nichts mehr zu tun haben mit dem ehemaligen Redner, den er damals noch lobte: „Das waren starke und deutliche Worte. Vielen Dank dafür.“

Lutz Bachmann spielt Vorfall herunter

Am Freitag schrieb Bachmann auf Facebook: „Vollidiot zündet Böller an Moscheetür, welche daraufhin verrußt wird. Keinerlei Menschen verletzt, ja noch nicht einmal wirklich gefährdet gewesen“. Der 43-Jährige, der seit einigen Monaten zu fremdenfeindlichen Kundgebungen in Sachsen von seinem Wohnsitz auf der Urlauberinsel Teneriffa einfliegt, versuchte, den Vorfall herunterzuspielen. Er sprach von „hysterischer Berichterstattung, weil mutmaßlicher Täter wahrscheinlich mal das ,offene Bürger-Mikrophon' bei Pegida nutzte“.

Sollte Nino K. tatsächlich der Bombenleger sein, bestätigt das die Entwicklung, welche die Pegida-Bewegung seit ihrer Gründung im Herbst 2014 genommen hat: Die Teilnehmerzahlen gehen seit Monaten beständig herunter und dümpeln derzeit bei 1500 bis 2000 und nicht mehr bei 20.000 wie noch vor einem Jahr. Das Organisationsteam spaltete sich nach Streitereien mit Frontfrau Tatjana Festerling, der Kern der Übriggebliebenen radikalisiert sich zunehmend derart, dass nicht einmal Frauke Petry und ihre AfD etwas mit Bachmann und dessen Anhängerschaft zu tun haben wollen. Der ehemalige Würstchenverkäufer selbst behauptet seit Monaten, Pegida wolle eine eigene Partei gründen. Bislang ist das nur Gerede.

Dass ein besorgter Bürger, wie sich die Pegidisten gerne selbst beschönigend nennen, möglicherweise ein gefährlicher Bombenbauer war, wundert Dresdner Politiker nicht wirklich. Die „Übergänge zum Rassismus sind fließend, die Radikalisierung von rechts führte im vorliegenden Fall – nicht zum ersten Mal in Sachsen – offenbar zum Rechtsterrorismus“, meinte die Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz (Linke).