Riesenwirbel: Der Hurrikan „Laura“ aus dem Weltall fotografiert, aufgenommen von dem Kommandanten der Internationalen Raumstation Chris Cassidy.
Foto: Imago Images/Nasa

Lake CharlesMit verheerenden Sturmfluten und extrem starkem Wind ist Hurrikan „Laura“ auf die Südwestküste der USA getroffen. Das Auge des Sturms befand sich in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) nahe der Stadt Lake Charles im Bundesstaat Louisiana, wie das Nationale Hurrikanzentrum (NHC)in Miami mitteilte. Dort erreichte der Sturm Windstärken von bis zu 210 Kilometern pro Stunde. Zuvor war der Hurrikan mit Windgeschwindigkeiten von 240 Kilometern pro Stunde über die Gemeinde Cameron an der Südküste des Bundesstaates gezogen. Nach seinem Auftreffen an Land wurde von einem Sturm der Kategorie vier auf einen der Stärke drei herabgestuft.

Der Hurrikan klinge wie „ein dröhnendes Düsentriebwerk“, beschrieb ein Reporter des Fernsehsenders CNN die Situation in Lake Charles. Der Hurrikan lasse selbst die stabilsten Gebäude erzittern, Glasscherben flögen durch die Luft. Das Hurrikanzentrum warnte Anwohner via Twitter: „Gehen Sie jetzt in Deckung.“ Am sichersten sei es, im Hausinneren unter einem Tisch oder einem anderen stabilen Möbelstück in Deckung zu gehen, sich nicht in Fensternähe aufzuhalten und den Körper mit Matratzen oder Kissen zu schützen. Es handele sich um eine „lebensbedrohliche Situation“, betonte das NHC.

Das ganze Ausmaß der Zerstörung in den bereits betroffenen Gebieten war am Donnerstag noch nicht zu überblicken. Das NHC sprach von „katastrophalen Sturmfluten“ und „extremen Winden“. Aufgrund der erwarteten Überflutung sei die Gemeinde Cameron womöglich bis Freitag oder Sonnabend nicht zugänglich, sagte ein Mitarbeiter der örtlichen Katastrophenschutzbehörde dem Sender CNN.

Auch stabile Häuser sind nicht sicher: Die Fassade eines Hochhauses in Lake Charles, Louisiana, wird vom Sturm abgerissen.
Foto: AP/Stephen Jones

Das Hurrikanzentrum warnte, dass auch stabil gebaute Häuser schwer beschädigt und Bäume entwurzelt werden könnten. Es werde mehrere Tage oder Wochen keinen Strom und kein Wasser geben. Heftige Winde und weitreichende Überflutungen könnten nicht nur auf Texas und Louisiana begrenzt bleiben, sondern etwa auch den Bundesstaat Arkansas betreffen. Für ein Gebiet mit mehr als einer halben Million Einwohnern war die Evakuierung angeordnet worden.

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, warnte, „Laura“ sei einer der bisher bedrohlichsten Wirbelstürme. Die Menschen sollten sich unbedingt in Sicherheit bringen. „Euer Besitz lässt sich ersetzen, euer Leben nicht“, sagte Abbott. „Sie haben nur noch wenige Stunden, um sich vorzubereiten oder zu flüchten“, hatte Louisianas Gouverneur John Bel Edwards bereits am Mittwoch gewarnt. US-Vizepräsident Mike Pence forderte die Menschen auf, sich an die Anweisungen der Behörden zu halten.

Die US-Klimabehörde NOAA rechnet damit, dass 2020 ein Rekordjahr für Wirbelstürme werden könnte. Erwartet werden 19 bis 25 Stürme, von denen sieben bis elf Hurrikans werden könnten, drei bis sechs sogar sehr starke mit Windgeschwindigkeiten von 178 Stundenkilometern und mehr. In durchschnittlichen Jahren gibt es an der Atlantikküste zwölf Stürme, von denen sich drei zu Hurrikans der Kategorie drei, vier oder fünf entwickeln. Die Wirbelsturm-Saison endet Ende November. (dpa/AFP)