Leipzig - Mit der Festnahme eines mutmaßlichen Terroristen in Leipzig ist offenbar ein größerer Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland verhindert worden. Der 22-jährige Syrer Dschaber A. habe konkrete Pläne verfolgt und Vorbereitungen getroffen, sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig am Montag. Nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz wollte der Verdächtige wohl einen Flughafen in Berlin attackieren.

„Wir hatten Hinweise - nachrichtendienstliche Hinweise -, dass er zunächst einmal Züge in Deutschland angreifen wollte. Zuletzt konkretisierte sich dies mit Blick auf Flughäfen in Berlin“, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen am Montag der ARD.

Vorgehensweise und Verhalten des Verdächtigen sprächen für einen „IS-Kontext“, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes (LKA), Jörg Michaelis. Die sichergestellten 1,5 Kilogramm Sprengstoff sind wohl identisch mit dem, den IS-Terroristen in Frankreich und Belgien verwendet haben. 

Weiter „unverändert hohe Bedrohungslage“

„Die Ermittlungen zeigen, dass solche Taten, wie wir sie in Frankreich und Belgien gesehen haben, auch in Deutschland nicht auszuschließen sind“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Es herrsche eine „unverändert hohe Bedrohungslage durch den internationalen Terrorismus“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss zur Terrorabwehr auch Gesetzesverschärfungen nicht aus. „Wir müssen alles Menschenmögliche tun, notfalls dann auch die Gesetze verändern, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten.“

Wegen der besonderen Bedeutung des Falles übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. A. wird der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verdächtigt. Nach Verkündung des Haftbefehls durch einen Amtsrichter am Montag in Dresden befindet er sich in Untersuchungshaft.

Dschaber A. wollte sich offenbar freikaufen

Der 22-Jährige war in der Nacht in Leipzig festgenommen worden. Zwei Syrer hatten ihn nach eigenen Angaben in einer Wohnung im Nordosten der Stadt überwältigt, gefesselt und der Polizei übergeben. „Er hat versucht, uns mit Geld zu bestechen“, sagte einer von ihnen dem Sender RTL. „Wir haben ihm gesagt, du kannst uns so viel Geld geben wie du willst, wir lassen dich nicht frei.“ Sein Anruf bei der Polizei sei zunächst aufgrund von Verständigungsproblemen erfolglos geblieben. Daraufhin sei er mit einem Foto von A. zu einem Polizeirevier gefahren. „Ich war total wütend auf ihn. So etwas akzeptiere ich nicht - gerade hier in Deutschland, dem Land, das uns die Türen geöffnet hat“, sagte Mohammed A.

Merkel dankte dem Syrer, dessen Hinweis zur Festnahme geführt habe. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) lobte ihn als „mutigen und verantwortungsbewussten“ Mitbürger.

Maaßen zufolge ging im September beim Verfassungsschutz ein Hinweis auf IS-Anschlagsplanungen gegen die Infrastruktur in Deutschland ein, am vergangenen Donnerstag sei es schließlich gelungen, A. zu identifizieren. Bei der daraufhin eingeleiteten Observierung sei festgestellt worden, dass er Heißkleber gekauft habe. „Und unverzüglich haben wir dann alle Maßnahmen in Bewegung gesetzt, damit ein Zugriff erfolgte, weil wir davon ausgingen: Dies kann im Grunde genommen die letzte Chemikalie sein, die für ihn notwendig war, um eine Bombe herzustellen“, so Maaßen in der ARD. (dpa)