Lieber Herr Joachim,

nun ist er raus, Ihr „heimlicher Dschungelkönig“ Ailton. Am Ende unterschied sich sein heutiges aufgeräumtes „Rufi an“ wohl doch zu wenig von seinem flehentlichen „rufnixan“ der Vortage. Oder haben Sie etwa für Ailton angerufen? Womöglich sogar mehrfach? Eben.

Überhaupt war ja bis kurz vor der Live-Sendung angeblich unklar, ob das Camp nicht doch evakuiert werden müsste. Dieses Gerücht setzte RTL mit einem ganz besonders schlauen Trick in die Welt: uns Journalisten mailt die Pressestelle ja jeden Mittag eine Zusammenfassung der geplanten Sendungsinhalte vom Abend. Wir dürfen aber vor Ende der Show nichts davon veröffentlichen.

Heute nun hieß es aber ohne Sperrfrist in der Pressemail nur geheimnisvoll: „Aufgrund der schlechten Wetterlage in Australien gibt es heute ausnahmsweise keine weiteren Infos über die heutige Sendung zum Tag 13 im Dschungel. Alles weitere erfahren Sie heute Abend, live um 22.15 Uhr bei RTL.“

Nichts zu erfahren ruft uns Journalisten quasi automatisch auf den Plan. Und so haben wir unser Nichtwissen den ganzen Tag über in die Welt rausposaunt. So baut man eine Neugierquote auf. Ich prophezeie: die Ratings werden gigantisch sein!

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Danke übrigens für Ihr Kompliment, dass ich die Zuschauer besser verstünde als Sie. Sie sind ja auch ein Zuschauer. Und so glaube ich, auch Ihre persönliche „Motivier“ (Ailton) ganz gut zu verstehen. Sie hatten sich ja schon früh Ihren Favoriten ausgewählt, und natürlich war es ein Mann.

Damit haben Sie sich nicht anders verhalten als ein durchschnittlicher 14-jähriger männlicher RTL-Zuschauer. Das haben Potsdamer Wissenschaftler gerade in einer breit angelegten Zuschauerforschung festgestellt: Jugendliche Zuschauer einer Votingshow wählen ihre Favoriten früh und nach persönlichen Vorlieben aus. Die haben meist gar nichts mit den Leistungen (singen/tanzen/Hoden essen) zu tun, die in der Show abgefordert werden. Männliche Zuschauer identifizieren sich nur mit Männern, Frauen dagegen halten entweder zu toughen Frauen (wie Brigitte Nieslen) oder zu sanften Männern (wie zuletzt Peer Kusmagk).

Nobodys müssen das Feld räumen

Männer voten häufig paradox, nämlich nicht aus Sympathie, sondern aus Schadenfreude. Frauen sind dafür treuer, sie rufen viel häufiger für ihre Favoriten an. Alles wissenschaftlich erwiesen! Aus dieser Perspektive haben die coole Brigitte und der dauerverschmuste Rocco die besten Chancen auf die Dschungelkrone.

Heute hat Micaela die telefonmuffeligen Männer noch erfolgreich für sich mobilisieren können, indem sie versprach, morgen ihre „Nippel-Pads“ anzulegen (der Begriff „anziehen“ wäre in diesem Zusammenhang ja eher deplaziert). Aber schon am Donnerstag könnte ihr Vincent in die Quere kommen, der ja ständig darum bittet, nicht für ihn anzurufen. Ihn wählte MAN(N) heute aus Schadenfreude. Und Ailton ließ MAN(N) aus dem gleichen Grund fallen, als er nach Tagen der Lethargie plötzlich entschied, doch noch gewinnen zu wollen und seine Fans (also Sie!) zu einem kollektiven „rufian“ überreden wollte.

Jetzt sind es also nur noch fünf. Brigitte Nielsen, von der Sie zurecht schreiben, sie habe das Spiel besser als alle anderen durchschaut, brachte es auf den Punkt: „Jetzt geht es Jemand gegen Jemand“. Zeit für die Nobodys, das Feld zu räumen. Ailton hat es vielleicht auf dem Fußballplatz zu etwas gebracht, was Sie so anhänglich machte. Im Dschungelcamp ist er mit seinem Missmut aber kein „Jemand“ geworden. Ich gebe meine Stimme weiter Rocco. Schon aus Rache an Uwe Ochsenknecht. Ja, auch wir Mädchen denken manchmal um die Ecke. Und Sie? Steigen Sie jetzt aus, wo Ailton nicht mehr dabei ist?

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