Düsseldorf - Es ist schon eine ganze Weile her, dass man von Joachim Gauck gehört hat. Der 78-Jährige schätzt die Freiheit, seitdem Frank-Walter Steinmeier ihm das Amt des Bundespräsidenten vor elf Monaten abnahm. Und er schweigt meistens.

Nun aber hielt der Rostocker eine Gastvorlesung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seine Botschaft dürfte von jenen, die dem Zuzug von Flüchtlingen skeptisch gegenüber stehen, gern gehört werden. Das einstige Staatsoberhaupt diagnostizierte, dass die Verfechter einer multikulturellen Gesellschaft gescheitert seien. Ja, was sie bewirkt hätten, habe ihn erschreckt.

2015 sprach er sich für die Flüchtlingspolitik aus

Niemand wird Gauck in die rechte Ecke stellen können. So lobte er im August 2015 nach dem Besuch einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin die „vielen Freiwilligen, die zeigen wollen, es gibt ein helles Deutschland, das hier sich leuchtend darstellt gegenüber dem Dunkeldeutschland, das wir empfinden, wenn wir von fremdenfeindlichen Aktionen gegen Menschen hören“. Später wurde er in Ostdeutschland von Fremdenfeinden attackiert, in Bautzen und Sebnitz.

Im Februar 2016 setzte derselbe Gauck freilich einen anderen Akzent. In der Bemühung, „möglichst vielen helfend zur Seite zu stehen“, könne es begründet sein, „dass man nicht allen hilft“.

Rede dient als Vorlage für Rechte

Nun legte der Privatier offen, warum. „Wer sich vorstellt, quasi als imaginierter Vertreter eines Weltbürgertums alle Grenzen des Nationalstaates hinweg zu nehmen, überfordert nicht nur die materiellen, territorialen und sozialen Möglichkeiten eines jeden Staates, sondern auch die psychischen Möglichkeiten seiner Bürger“, erklärte er.

Und „Beschwichtiger, die kritikwürdige Verhaltensweisen von einzelnen Migranten unter den Teppich kehren, um Rassismus keinen Vorschub zu leisten, bestätigen Rassisten nur in ihrem Verdacht, die Meinungsfreiheit in unserem Land sei eingeschränkt“.

Kein Zweifel, diese Rede wird noch oft zitiert werden. Gewiss auch von den falschen Leuten.