Berlin - Die Alternative für Deutschland inszeniert sich gern als Retterin des christlichen Abendlands und beschwört düstere Untergangszenarien von seiner angeblich bevorstehenden Islamisierung. Dass sich gerade ihr Kurs beim Thema Flucht und Migration mit den Werten dieses christlichen Abendlands ganz und gar nicht verträgt, gehört zu den Widersprüchen, die ihre Anhänger kaum stören. Wie man es mit der Kirche hält, ist allerdings auch in der AfD umstritten. Immer wieder wettern Exponenten der Partei gegen die „Staatskirchen“ und fordern zum massenhaften Austritt auf. In den nationalkonservativen ostdeutschen Landesverbänden tut man niemandem in der Wählerschaft damit weh, es gibt dort schließlich nur wenige Christen.

Kampfansage kann Wähler verschrecken

Überraschend ist aber, dass nun ausgerechnet die AfD in Bayern mit einer Kampfansage an die Kirchen in den Wahlkampf zieht. Doch auch in Bayern steht die AfD sehr weit rechts, bei der Ausarbeitung des Wahlprogramms hat sich der nationalkonservative Flügel durchgesetzt. In den ländlichen, überwiegend katholischen Gebieten in Niederbayern, wo die AfD ihre Hochburgen hat, wird diese Kampfansage aber viele Menschen verschrecken, selbst wenn sie der seit Jahrzehnten regierenden Staatspartei CSU überdrüssig sind.

Die AfD ist sich in Bayern ihrer Sache sehr sicher, und es besteht kein Zweifel, dass sie demnächst im Maximilianeum in München sitzen wird. Auf dem Land aber wird sie dieser scharfe Kurs gegen die Kirchen Stimmen kosten. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass die CSU das Thema auch als wahlkampftauglich entdeckt und sich ihrerseits als Retterin der Kirchen inszeniert. Seinen persönlichen Kreuzzug hat Ministerpräsident Markus Söder bereits geführt - sehr zum Missfallen der Kirchen.