Washington - Da ist die Sache mit den Bettlaken und den Handtüchern, die möglicherweise Ebola-Viren enthalten, weil US-Patient Nummer eins erheblich schwitzte und sich auch erbrach. Sie liegen immer noch in der Wohnung im Nordosten von Dallas, aus der der Kranke drei Tage zuvor in ein Krankenhaus gebracht worden ist. Louise Troh, die Bekannte von US-Patient Nummer eins, sagt Reportern am Telefon, sie habe die Wäsche in eine Plastiktüte gepackt und warte auf Abholung.

Geschehen ist das bis Freitagvormittag Ortszeit jedoch nicht. Denn es hat sich bislang offenbar noch niemand gefunden, der die Arbeit erledigen will. David Lakey, der Chef des texanischen Gesundheitsamtes, sagt, die Reinigungsfirmen seien „ein wenig“ zurückhaltend. Aber schon bald, sagt der Beamte dann, würden die Sachen abgeholt.

Vier Menschen in Quarantäne

Amerika hat seinen ersten Ebola-Fall, und die Behörden versichern unablässig, sie könnten die Seuche eindämmen. Doch in der Öffentlichkeit wachsen die Zweifel. Das mag auch an der Informationspolitik liegen. Erst war es nur „eine Handvoll“ Menschen, die mit Thomas Duncan in Kontakt gekommen sein könnten. Dann waren es 12 bis 18 Personen, später 80. Nun sind es schon 100 Menschen aus dem Umfeld des Kranken, die in den nächsten Wochen beobachtet werden.

Ebola bricht zwei bis 21 Tage nach Infizierung aus. Patient Nummer eins hat seit ungefähr einer Woche Symptome der angsteinflößenden Krankheit. Noch 14 Tage also wird es dauern, bis Gewissheit herrscht, ob sich noch mehr Menschen mit dem Virus angesteckt haben. Thomas Frieden, Chef der US-Seuchenschutzbehörde CDC, sagt: „Es kann weitere Fälle geben, aber es wird keine Ausbreitung geben.“ Er muss das sagen, damit keine Panik ausbricht. In Liberia, Sierra Leone und Guinea sind schon mehr als 3 000 Menschen an Ebola gestorben. US-Experten fürchten, dass die Zahl der Todesopfer in die Hunderttausende gehen könnte, wenn die Epidemie nicht bald eingedämmt wird.

In Dallas stehen derzeit stehen vier Menschen unter Quarantäne. Es sind Louise Troh, ihr 13 Jahre alter Sohn und ihre zwei Neffen. Sie dürfen ihre Wohnung nicht verlassen, in der Thomas Duncan sie besucht hat. Die Wohnanlage im Nordosten der texanischen Großstadt ist weiträumig abgesperrt. Polizisten halten Wache. Das Rote Kreuz habe Lebensmittel für die Familie geliefert, sagen Nachbarn. Louise Troh ist nur über das Telefon zu erreichen.

Der Nachrichtenagentur AP sagt sie: „Wer will schon eingesperrt sein?“ Die Behörden sagen, das geschehe nur zum Wohle der Familie. „Sie zeigen kein Symptome, haben kein Fieber. Aber wir müssen sie beobachten, das gebietet die Gefährlichkeit der Krankheit“, so David Lakey, Chef des texanischen Gesundheitsamtes.

Langsam kommen Details über den ersten Menschen an die Öffentlichkeit, der Symptome der Virus-Erkrankung außerhalb Westafrikas entwickelt hat. Demnach bestieg der 42 Jahre alte Thomas Duncan am 19. September in Liberias Hauptstadt Monrovia ein Flugzeug. Am Flughafen verschwieg er nach Angaben der Regierung Liberias, dass er in den Tagen zuvor sehr wohl mit Ebola-Infizierten in Kontakt gekommen sei. Weil er die entsprechende Frage mit Nein beantwortete, durfte Duncan nach Brüssel fliegen. Über Washington kam er schließlich nach Dallas, wo er am 20. September landete und seine Bekannten aufsuchte.

Eine gute Woche zeigte Duncan keine Symptome. Am Freitag vergangener Woche ging er wegen hohen Fiebers in die Notaufnahme eines Krankenhauses in Dallas. Dort soll er zwar gesagt haben, dass er aus Westafrika komme, aber das löste keinen Alarm aus.

Duncan wurde mit einem Antibiotikum versorgt und nach Hause geschickt. Zur Erklärung hieß es erst, eine Krankenschwester habe die womöglich entscheidende Information nicht weitergegeben. Später erklärte die Klinik in einer Stellungnahme, Duncan habe zu diesem Zeitpunkt noch keine Übelkeit verspürt, keinen Durchfall gehabt und sich nicht erbrochen. Daher habe man entschieden, den Mann wieder nach Hause gehen zu lassen.

Panikreaktionen in Dallas

In den Tagen danach ging es Duncan plötzlich sehr schlecht. Er bekam Schüttelfrost, erbrach sich. Eine Bekannte rief schließlich den Rettungswagen und sagte der Washington Post, dass sie die Sanitätern an der Haustür gewarnt habe: „Er ist gerade aus Liberia gekommen. Fassen Sie nichts an. Viren.“

Patient Nummer eins liegt seither auf einer Isolierstation. Der Kranke werde sehr gut betreut und sei sehr gut isoliert, sagt Amtschef David Lakey: „Wir werden dafür sorgen, dass niemand dem Erreger ausgesetzt wird.“

Doch viele Menschen, die in dem Stadtviertel von Dallas leben, wo sich Duncan aufgehalten hat, sind skeptisch. Ein 15-Jähriger sagt Reportern, seine Mutter habe ihm empfohlen, niemanden in der High School die Hand zu schütteln: „Also haben wir die Ellbogen aneinander gestoßen.“ Andere Eltern lassen ihre Kinder gar nicht erst aus dem Haus. Die Schulbesuchsquote in dem Stadtbezirk ist von 96 auf 86 Prozent gefallen, erklären die Behörden.