Berlin - Die damalige US-Besatzungsmacht in Deutschland hat eine Gruppe um Willy Brandt in den 1950er Jahren im Machtkampf innerhalb der SPD finanziell unterstützt. Der Historiker Scott Krause hat entsprechende Erkenntnisse aus Archivunterlagen bei einer Tagung der Willy-Brand-Stiftung am Freitagvormittag vorgestellt, wie er dieser Zeitung bestätigte. Aus Mitteln des Marschallplans sei demnach das „Berliner Stadtblatt“, deren Chefredakteur der damalige Bundestagsabgeordnete Brandt war, mit insgesamt 200 000 DM unterstützt worden, die als Zahlungen für Sonderbeilagen getarnt wurden.

Er könne nicht rekonstruieren, wo das Geld genau hinging, sagte Krause. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass sie Brandt zu seinem persönlichen Vorteil genutzt habe. Krause geht davon aus, dass die Amerikaner allgemein demokratisch gesinnte Politiker und innerhalb der SPD Kräfte stärken wollten, die sich damals für eine Westbindung engagierten. Mit den von der US-Regierung und Brandt selbst zurückgewiesenen Gerüchten aus den 1970er Jahren, dass dieser vom Geheimdienst CIA Geld erhalten habe, hätten diese Vorgänge keinerlei Verbindung. Zumindest in einer Vorabmeldung für die „Spiegel“-Ausgabe vom Samstag war dies suggeriert worden.

Verdeckte Zahlungen

Die Zahlungen seien aus mehreren Gründen verdeckt erfolgt, sagte Krause dieser Zeitung. In den USA selbst wäre es damals umstritten gewesen eine damals noch nominell marxistische Partei zu unterstützen, auch in der SPD hätte es sicherlich für Streit gesorgt und dem Ruf der Remigranten, wie Brandt, weiter geschadet, da diesen ohnehin oft vorgeworfen worden sei, sie würden aus dem Ausland gesteuert. Krause verweist darauf, dass Hans E. Hirschfeld, der zur Gruppe um Brandt und Ernst Reuter gehörte, selbst auf die US-Behörden zugegangen sei und um Unterstützung gebeten habe. Einen wissenschaftlichen Artikel zu seiner Forschung zu diesem Thema hat Krause bereits 2015 in der Fachpublikation Central European History veröffentlicht.