Ostern in in Zeiten des Corona-Virus: Nicht ganz einfach, aber geht.
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BerlinStimmen wir uns also auf die Feiertage ein. Wie gut, dass es da ein paar Handreichungen gibt. Der Stressforscher Mazda Adli hat richtig gute Tipps parat, um halbwegs entspannt durch die Oster- und Corona-Zeit zu kommen. Auf der Bundespressekonferenz sagte der  Psychiater an der Berliner Charité das Folgende: 

1. Beschäftigt euch mit Dingen, Büchern, Filmen, die nicht um das Virusthema kreisen; sprecht, wenn es sein muss, auch mal über das schöne Wetter.

2. Befreit euch von der Vorstellung, an Ostern treffe man Bekannte und Verwandte, denn „auch wenn das tröstet, geht das wegen Covid-19 gerade nicht“.

3. Nach dieser „emotionalen Entlüftung“ des Osterfests könnt ihr euch vielmehr als Teilnehmer an einem „gigantischen Präventionsprojekt“ sehen.

Nach dieser umfassenden, aber durchaus zumutbaren Neucodierung unseres Gefühlshaushalts können wir „Erfolgsgeschichten“ überhaupt erst sehen, ist Adli überzeugt, und uns daran durchaus erbauen. Etwa daran, dass rund 50.000 Menschen in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts bereits als genesen gelten. Oder die Ansteckungszahlen nicht mehr expotentiell steigen.

Nach dieser kleinen Lockerungsübungen, lassen wir also den Blick in die weite Welt schweifen. Was bedeutet Ostern anderswo? Wie wird es gefeiert? Wenn überhaupt … Ohne Corona wird das aber nicht abgehen können. Christian Schlüter

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Madrid

Spanien feiert auch normalerweise keine Ostern, nicht wirklich. Der Domingo de Resurrección, der Auferstehungssonntag, ist eine Sache für Gläubige (von denen es in Spanien weniger gibt, als die Nordeuropäer annehmen) und außerdem Anlass für ein Familienessen, wie es die Spanier immer gerne begehen. Kann sein, dass dabei Kaninchen oder Eier auf den Tisch kommen. Österlicher wird’s nicht.

Die wichtigen Festtage sind die Tage davor. So wird die Semana Santa – die „Heilige Woche“ – mit größerer Inbrunst begangen als anderswo Weihnachten. Aber nicht zuhause, sondern auf der Straße. Es ist eine schwitzende, duftende, tönende, plötzlich stille, farbenprächtige, strenge und dann wieder verspielte Woche. Nicht dieses Jahr. Die Absage tut so weh, als wären Bescherung und Weihnachtsbaum verboten.

Und doch, die Frohe Botschaft von der Auferstehung sucht sich in diesen Zeiten ihren ganz eigenen Wege. Marina Becerra, eine 16-jährige Schülerin aus Sevilla, hat ein Plakat gemacht: eine Collage aus Bildern von Sevillaner Ikonen – insbesondere Bildnissen des Gekreuzigten und seiner Heiligen Mutter – sowie einer davorstehenden, im Profil zu erkennenden Ärztin mit Mundschutz und zum Gebet gefalteten Händen. Die Großmutter stellte die Arbeit ins Netz, und jetzt ist Becerras Plakat die Ikone dieser Semana Santa.

Marina Becerra, die einmal Industrieingenieurin werden will, sagt der Zeitung ABC: „Man kann die Semana Santa auch auf andere Weise leben. Als Zeit zum Nachdenken und zum Beten. Und hoffentlich eröffnet sich an diesem Auferstehungssonntag vor uns eine neue Zukunft, die brauchen wir wirklich.“ Österlicher geht es kaum. Martin Dahms


Tokio

Nicht einmal Disney schafft es, dass der Funke überspringt. In Tokios Disneyland, einem riesigen Attraktionspark am Rande der Metropole, versucht der US-amerikanische Entertainmentkonzern seit einiger Zeit, ein weiteres typisches Fest aus dem Westen anzupreisen. Und dies nicht etwa, indem man in Form von Mickey-Mouse-Mutationen über den Tod Jesu und dessen Wiederauferstehung informieren würde. Alle mögliche Religiosität lässt man lieber außen vor, schickt Mickey und Minnie auf Paraden einfach mit Ostereiern durch den Park. Schließlich können in Japan die meisten Menschen mit Religion wenig anfangen.

In Tokio wie in ganz Japan wird Ostern nicht gefeiert. Dafür aber das Kirschblütenfest, an dem man sich auch ordentlich betrinken kann.
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Dabei besteht an westlichen Festen durchaus Interesse. Weihnachten zum Beispiel hat auch in Japan große Bedeutung erlangt. Vor allem junge Menschen lieben es, zwischen beleuchteten Tannenbäumen händchenhaltend durch die Straßen zu ziehen. Weihnachten hat sich hier als Fest für Lovers etabliert. Romantischer Kitsch statt familiärer Bedächtigkeit. Ähnlich freudig adaptiert wurde in Japan der Valentinstag, auch wenn es zu diesem Anlass die Frau sein muss, die ihrem Geliebten ein Geschenk macht. Für Gegenseitigkeit steht einen Monat später, am 14.3., der White Day – dann sollte sich der Mann revanchieren.

Zu Ostern aber gibt es in Japan keine japanisierten Bräuche. Das kann daran liegen, dass man zu dieser Jahreszeit schon seine eigenen Feste hat. In Stadtvierteln beginnen bald die Matsuri, also Straßenpartys, bei denen gelegentlich Schreine durch die Gegend getragen werden. Noch zuvor erfreut sich das ganze Land über die Kirschblüte. Wichtigstes Ritual hierbei: Freunde, Bekannte und Kollegen treffen sich unter Kirschbäumen und betrinken sich. Da mitzuhalten, ist für Ostern wohl nicht leicht. Felix Lill


Paris

Feste feiern, das steht in französischen Familien gleichbedeutend für: gut, üppig und stundenlang essen, bis selbst die geübtesten Schlemmer nicht mehr können. Das gilt für Weihnachten, wo man sich von der Stopfleber über die Austern und die Gans bis zum Weihnachtskuchen vorarbeitet. Und in etwas weniger exzessivem Ausmaß trifft dies auch auf Ostern zu, wenn traditionell Spargel, Lammkeule und Schokoladen-Kreationen auf dem Menü stehen. Wer gerne isst, und das trifft auf mich zu, hat bei diesen Gelegenheiten seine größte Freude.

Der Franzose schlemmt zu Ostern gut, üppig und stundenlang: Die Oster-Hühner des Pariser Chocolatier Didier Fourreau sollte man unbedingt probieren.
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Enttäuscht wird allerdings, wer aus Deutschland lieb gewonnene Traditionen erwartet. Glühwein kochen, Osterlamm backen, Eier bunt färben? Seit ich in meiner Anfangszeit in Frankreich mit solchen, mir natürlich erscheinenden Bedürfnissen auf Unverständnis stieß, zelebriere ich diese Traditionen mit anderen Exil-Deutschen und decke mich bei Heimatbesuchen mit Utensilien vom Glühwein-Gewürz für Adventsfeiern bis zum Eier-Färbemittel für Ostern ein. Zumindest führen französische Supermärkte Schokoladenhasen und -eier. Das Ostertreffen mit meinen deutschen Freunden fällt dieses Jahr Ausgangssperren-bedingt aus.

Für trotzdem etwas Osterstimmung mit bunten Eiern recherchiere ich mangels fertiger Färbe-Mischungen nach natürlichen Mitteln von Spinat bis Kurkuma. Mein Freund, ein passionierter Hobby-Koch, nutzt seit Wochen den Hausarrest, um sein ohnehin beeindruckendes Repertoire an Rezepten auszubauen. Seine neue Spezialität sind Kuchen ohne Mehl, das in Corona-Zeiten hartnäckig ausverkauft ist. Was das gute und üppige Essen an Ostern angeht, mache ich mir trotzdem keine Sorgen. Ich bin ja in Frankreich. Birgit Holzer


New York

Es wird kein einfaches Osterfest für die Menschen in New York City, vermutlich das schwierigste, an das sich die meisten Menschen erinnern können. Diese Woche hat das Coronavirus mehr Opfer gefordert als in jeder Woche zuvor und es ist kein Ende in Sicht.

Die Menschen sind erschöpft und verängstigt. Die üblichen Rituale, mit denen New Yorker Ostern und Pessach feiern, sind sämtlich abgesagt. Die Kirchen haben geschlossen – von der prächtigen katholischen St. Patricks Kathedrale auf der Fifth Avenue bis zur Abyssinian Baptist Church in Harlem. Im Hauptschiff von St. John the Divine ist eine Notkrankenstation eingerichtet worden. Die Osterparade, in der die New Yorker sich um die ausgefallensten Hut-Kreationen Konkurrenz machen, findet nicht statt. Und das allfällige Osterbrunch mit Freunden und Bekannten fällt auch aus.

Der New Yorker Central Park lädt zum Spaziergang ein, allerdings wurde hier auch ein Feldlazarett errichtet - zur Entlastung der Krankenhäuser.
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Dennoch werden die New Yorker versuchen, aus diesen Tagen Kraft und Hoffnung zu schöpfen. Der Central Park steht in voller Blüte und hat schon an den vergangenen Wochenenden Tausende von Spaziergängern gelockt, die vorsichtig und mit Gesichtsmasken die Pracht genossen haben.

Viele Familien, die nicht zusammenkommen können, veranstalten in diesem Jahr virtuelle Pessach-Sedern oder Osteressen. Doch die Rabbinerin Barbara Reiss von der Congregation Shearith Israel hat für die erschöpften New Yorker einen Trost: „Es muss kein perfektes Pessach sein dieses Jahr, ihr müsst keine 17 Gerichte kochen und an alle Familienmitglieder denken. Es ist völlig in Ordnung, ein mittelmäßiges Fest zu veranstalten.“ Sebastian Moll


Christchurch

Es geht vielleicht nicht um Klopapier, Hefe, Mehl und Schokohasen. Aber es geht um Panikkäufe, die damit verbundenen Massenaufläufe und das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus vor den nahenden Osterfeiertagen. Um das zu verhindern, hat Neuseelands Regierung frühzeitig angekündigt, dass die Supermärkte am Ostersonntag geöffnet sein werden. Das ist normalerweise einer der nur dreieinhalb gesetzlich vorgeschriebenen Feiertage, an denen Geschäfte im Land der Kiwis geschlossen bleiben müssen. Die anderen zweieinhalb sind der Karfreitag, der erste Weihnachtstag und der Morgen des ANZAC-Days (Kriegsgedenktag).

Hier ist der Sicherheitsabstand gewahrt: Ein Mann genießt die Abendsonne in einem Park in Christchurch.
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Da in Neuseeland seit dem 24. März eine vierwöchige Ausgangssperre gilt, muss die Ostereier-Suche, wie fast überall auf der Welt, im eigenen Garten oder bei Spaziergängen mit Sicherheitsabstand stattfinden. In Anlehnung an die weltweite Aktion der „Teddybären in Fenstern“ hat Premierministerin Jacinda Ardern vorgeschlagen, dass Kinder Ostereier malen und an die Fensterscheiben kleben, sodass vorbeispazierende Altersgenossen auf diese Weise auf Ostereier-Suche gehen können.

Was so manchen Tierliebhaber freut, aber Farmer ärgert, ist die abgesagte große Osterhasenjagd in der Region Central Otago. Dort knallen jedes Jahr ganze Jägerscharen Zehntausende Wildkaninchen ab, weil diese invasive Spezies Weideflächen kahlfrisst und die Existenz so mancher Farm bedroht. Die Langohren können sich – wie auch all die importierten Vogelkiller wie Marder, Frettchen und Possums, die sonst rund um die Uhr vergiftet, gefangen und erschossen werden – während der Krise ungestört vermehren. Die wahren Profiteure der Pandemie. Sissi Stein-Abel