März 2020: Leere im Klopapierregal.
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MUTTER: Pass auf, wenn du in den Keller gehst. Da wirst du sonst über einen Berg Nudeln stolpern.

TOCHTER: Wieso?

Na ja, Papa war einkaufen und hat sich dem allgemeinen Trend zum Hamstern angeschlossen. Er hat sogar seine Freunde im Supermarkt getroffen. Die haben dann ein bisschen verschämt zugegeben, dass sie dabei sind, Vorräte anzulegen. Und dann sind die Männer gemeinsam in den Supermarkt und haben Nudeln, Konserven und Klopapier gekauft. Jetzt bin ich gespannt, wie und wann wir das alles verbrauchen werden.

Das ist echt gaga. Vor allem, weil keiner Angst vor der Grippe hat. Man denkt, na dann lieg ich eben zwei Wochen flach. Aber daran sterben einfach viel mehr Leute als an Corona.

Es gibt schon auch gute Gründe für Quarantänemaßnahmen. Es geht ja darum, die Verbreitung von Viren einzudämmen und die Ansteckungsrate zu verlangsamen.

Ich finde, da ist echt viel Panik dabei. Ein neues Virus, das ist natürlich erstmal schlecht, und es tötet ja auch Menschen. Die Krankheit ist nicht ungefährlich. Es ist aber auch ein Hetzen nach Information und nach Neuigkeiten. Endlich passiert mal was außerhalb des normalen Alltags und die Leute können selber was machen. Deshalb gehen sie hamstern und kaufen Nudeln ein. Da passiert was Spannendes, da muss ich vorbereitet sein. Das ist eine Mischung aus Angst und Informationsgeilheit.

Vielleicht liegt es ja auch daran, dass wir keinen Krieg haben, keine wirklichen Krisen. Das, was zur Krise erklärt wird, die Eurokrise, EU-Krise, Brexit, das spürt man alles nicht am eigenen Leib. Es ist nicht wie eine Hungersnot oder Krieg. Aber Einschränkungen im Alltag, die sind nun mal greifbar.

Genau, das meine ich. Es passiert was in meinem Leben. Etwas, das über, ich geh zur Arbeit und ärgere mich über meinen Chef, hinausgeht. Das regt die Leute dazu an, über zu reagieren und so viel Panik zu schieben und das Ganze aufzubauschen.

Es ist auch ein bisschen wie ein Happening. Man trifft sich im Supermarkt und unterhält sich darüber, was hast du denn gekauft? Ein bisschen wie Party.

Na, man hat eben nicht so viele dramatische Dinge in seinem Leben und freut sich über jedes Abenteuer.

Aber das ist doch interessant. Und die Sache ist ja auch groß, schon allein, weil sie von Behörden und Wissenschaftlern groß gemacht wird.

Und den Medien.

Die Medien haben aber keine Wahl, wenn etwas passiert, muss man es abbilden, dadurch heizt man die Sache dann weiter an. Das ist ein Teufelskreis, aus dem man nur schwer raus kommt. Man kann es kaum vermeiden. Man kann nur entscheiden, wie umfangreich man berichtet, die Größenordnung, aber berichten muss man. Es passiert ja: Behörden verordnen Quarantäne. Darüber muss man berichten und auch Service liefern und Fragen beantworten: Wohin wende ich mich, wo gibt es welche Informationen. Aber als Einzelner muss man natürlich nicht losgehen und Hamsterkäufe machen. Wie viele Pakete Salami, Schinken, Nudeln, wie viele Dosen braucht man denn, wenn man gar nicht weiß, ob und welchen Zeitraum man überbrücken will.

Ich finde das alles schon sehr übertrieben. Am Ende ist wahrscheinlich nur ein minimaler Anteil der Bevölkerung wirklich zuhause unter Quarantäne. Ich finde es schon okay, wenn große Veranstaltungen abgesagt werden, aber man muss schon über den Sinn nachdenken und nicht alles einschränken. In manchen Bereichen finde ich das einfach nicht angebracht, nämlich da, wo es jetzt schon große Folgen hat. In der Schule, zum Beispiel, haben die Abiturienten jetzt schon ein Problem, weil alle Einschränkungen in ihre Vorbereitungszeit für die Prüfungen reinfallen. Wenn die Schulen dann auch noch durchdrehen und alle aussperren und sagen, ihr müsst jetzt Wochen zuhause bleiben, aus reiner Vorsicht. Da steht die Zukunft von Schülern auf dem Spiel. Das ist Überreaktion.

Gut, ich kann nicht beurteilen, ob es da jetzt schon Probleme gibt, und wie man die Dinge anders regeln könnte. Aber den Supermarkt leerkaufen und das Zeug im Keller horten ist auf jeden Fall seltsam.

Was auf jeden Fall nichts bringt, sind Lebensmittel. Die zu kaufen, hilft nicht gegen das Virus und die Ansteckungsgefahr mindert es auch nicht. Desinfektionsmittel bereit zu halten, das verstehe ich schon. Aber ich verstehe nicht, warum man das nicht in jeder Grippezeit macht. Eigentlich müssten in jeder Grippezeit Desinfektionsmittel und Handschuhe von den Leuten nachgefragt werden.

Na ja, vielleicht haben wir das ja jetzt gelernt. Sich häufiger die Hände waschen. Nicht dem gegenüber ins Gesicht husten. Weniger Hände schütteln. Nicht in der U-Bahn essen.

Mal sehen. Das wäre natürlich gut. Es schützt ja jeden und natürlich vor allem auch die, die an der Grippe sonst sterben würden.