Michael Bloomberg spricht im Christlichen Kulturzentrum in New York.
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BerlinFünf innerparteiliche Debatten hat er schon verpasst. Für die sechste kurz vor Weihnachten kann sich Michael Bloomberg nicht mehr qualifizieren. Auch die ersten demokratischen Vorwahlen in Iowa und New Hampshire will der ehemalige New Yorker Bürgermeister verstreichen lassen und erst im März offiziell in die Kandidatenkür einsteigen. Man muss den 77-Jährigen einen echten Spätzünder im Kampf gegen Donald Trump nennen.

Eigentlich hatte der Multi-Milliardär eine Kandidatur schon abgelehnt. Dass er nun doch noch das Bewerberfeld aufmischt, ist eher ein Alarmsignal als ein Hoffnungszeichen. Immer deutlicher werden nämlich die Schwächen des Noch-Favoriten Joe Biden. Der ebenfalls 77-jährige ehemalige Vizepräsident ist ein Sympathieträger und punktet im direkten Gespräch.

Bloombergs Schwächen

Auf großer Bühne aber macht er keine gute Figur: Allzu oft beschäftigt er sich mit der Vergangenheit. Seine Botschaften klingen abgedroschen. Und seine Sätze enden häufig im Nirwana. So wachsen Zweifel, ob Biden in einem Duell mit Trump wirklich als Sieger vom Platz gehen würde. Die linken Bewerber Elizabeth Warren und Bernie Sanders wirken robuster, doch können sie bei Schwarzen und in den wichtigen strukturkonservativen Swing-States nicht ausreichend punkten.  

Es spricht also einiges für die Last-Minute-Kandidatur eines moderaten Bewerbers. Nur müsste er in der Partei breiten Respekt genießen und landesweit bekannt sein. Beides gilt für Bloomberg nicht. Für ihn sprechen vor allem seine unbegrenzten Wahlkampfmittel. Wenn es schlecht läuft, kann er damit Biden in die Knie zwingen, ohne dass ihn die Partei unterstützt. Donald Trump würde sich freuen.