Berlin - Im Streit um einen Mann an der Spitze der Grünen im Saarland hat sich jetzt Annalena Baerbock eingemischt. Sie ist nicht glücklich mit der Aufstellung der Bundestagskandidaten im Saarland und einem Mann an der Spitze. Die grüne Kanzlerkandidatin sagte dazu in Berlin: „Wir haben uns das anders gewünscht.“ Zuvor wurde der frühere Landesparteichef Hubert Ulrich auf Platz eins der Landesliste gewählt. Das Frauenstatut der Grünen schreibt aber eigentlich eine Frau an der Spitze vor. 

Ulrich hatte sich auf einem Landesparteitag am Sonntag als Spitzenkandidat durchgesetzt, nachdem die inzwischen abgelöste Landesvorsitzende Tina Schöpfer mehrfach durchgefallen war. Nach der Niederlage Schöpfers hatte der Parteitag beschlossen, dass auch ein Mann auf Listenplatz eins kandidieren kann. Ulrich gewann schließlich gegen die Vorsitzende der Grünen Jugend im Saarland, Jeanne Dillschneider. Dass ein Mann nun die Landesliste anführt, verstößt nach Ansicht vieler Kritiker gegen das Frauenstatut der Grünen.  

Mehrheiten als Drohmittel und Instrument der Demütigung?

„Wir sind schockiert über die Art und Weise, wie sich über das Frauenstatut der Grünen hinweggesetzt worden ist und sehen hier eklatante Satzungsverstöße“, teilte die Grüne Jugend Saar mit. Wahlverliererin Jeannie Dillschneider erklärte am Montag, dass sie für ihre Ideale zwar „kein Amt und keinen Listenplatz“ brauche. Gleichzeitig sei sie aber auch „enttäuscht“. So habe es „Mehrheiten als Drohmittel, als Machtdemonstration, als Instrument der Demütigung“ gegeben.

„Demokratie kann man es vielleicht noch nennen. Aber ob das der richtige Weg ist, ist eine andere Geschichte.“ Was sie am Wahltag erlebt habe, „hat mit grünen Werten wenig zu tun und über einige Personen bin ich menschlich enttäuscht“.

Ulrich selbst streitet unterdessen ab, Einfluss auf das Wahlverhalten bei der Kandidatur Schöpfers genommen zu haben. „Dieser permanente Vorwurf ist schlichtweg an den Haaren herbeigezogen“, sagte er dem Saarländischen Rundfunk. „Er dient natürlich einer Kampagne, die wird auch munter gefahren. Aber auch das hat mit Demokratie nicht mehr viel zu tun.“ Die 150 Delegierten, so Ulrich, seien unabhängig und hätten eine freie, demokratische, geheime Entscheidung getroffen.

Führung der Grünen kündigt „intensiven Austausch“ an

Die Angelegenheit wurde nach Baerbocks Angaben am Montag auch im Bundesvorstand besprochen. Darüber werde Bundesgeschäftsführer Michael Kellner mit dem saarländischen Landesverband noch „im intensiven Austausch sein“, kündigte die Bundesvorsitzende der Grünen an.

Ulrich ist bei den Grünen seit jeher umstritten, weil sich der Landesverband unter seiner Führung im Jahr 2009 für eine Jamaika-Koalition an der Saar ausgesprochen hatte, obwohl rechnerisch damals auch Rot-Rot-Grün möglich gewesen wäre.