Der Reichstag und das Paul-Löbe-Haus spiegeln sich in der Spree.
Foto: dpa/Paul Zinken

BerlinDer Deutsche Bundestag ist drauf und dran einen schweren architektonischen Fehler zu begehen. Er will im Parlamentsviertel einen sogenannten Modulbau errichten, also ein Gebäude mit überwiegend vorgefertigten Bauteilen, wie sie zum Beispiel im Schulbau oder bei der Erstellung von Flüchtlingsunterkünften verwendet werden. So soll noch rechtzeitig vor den nächsten Wahlen Platz für 400 Büros geschaffen werden. Denn eine Wahlrechtsreform, die einen weiteren Aufwuchs der Parlamentarier verhindert, lässt auf sich warten.

Mag sein, dass sich die Errichtung von Modulbauten in Ausnahmesituationen rechtfertigen lässt. Wenn es darum geht, dass Schüler oder Schutzsuchende schnell unterzubringen sind. Es ist aber schlichtweg indiskutabel, dass der Bundestag glaubt, einen Modulbau für 400 Büros, ausgelegt auf eine Nutzungsdauer von 15 Jahren, mitten im Parlamentsviertel zu errichten. An einem Ort, an dem sonst Architekturwettbewerbe ausgelobt werden, um die beste gestalterische Idee für die jeweilige Bauaufgabe zu finden.

Das Parlamentsviertel gehört zu den großen architektonischen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus symbolisieren mit der sie verbindenden Brücke über die Spree, an der einst die Grenze verlief, das Zusammenwachsen der Stadt. Wer meint, dass hier ein Modulbau die adäquate Antwort auf ein selbst verschuldetes Unterbringungsproblem ist, wird seiner Verantwortung nicht gerecht. 70 Millionen Euro für ein Haus auszugeben, das 15 Jahre genutzt wird, ist ohnehin Geldverschwendung. Die Idee sollte schnell begraben werden.