Berlin - Es ist an Malu Dreyer festzumachen, dass die SPD in Rheinland-Pfalz weiterregieren kann. Mit einem Wahlergebnis, von dem die Bundes-SPD nur träumen kann. Sie liegt derzeit in den Umfragen bei gerade einmal 15 Prozent.

Malu Dreyer ist beliebt, gilt als kompetent gerade auch in der Corona-Politik. Menschen empfinden sie als sympathisch, setzen Vertrauen in sie. Die Politikerin gilt aber auch als eisern und durchsetzungsstark. Letzteres in Bezug auf ihren Regierungsstil (sie jagte auch schon Genossen aus dem Amt), aber auch auf sie selbst: Bevor sie 2013 Kurt Beck ablöste, hatte die Rechtswissenschaftlerin niemand in der SPD auf dem Plan. Vor allem auch wegen ihrer Krankheit, Multiple Sklerose. Malu Dreyer, die seit 2016 mit den Grünen und der FDP regiert, meistert das alles – ihr Amt, ihren 16-Stunden-Tag, mal im Rollstuhl, mal zu Fuß.

So war es nicht verwunderlich, dass die Genossen mit ihrer Ministerpräsidentin Dreyer in einen Wahlkampf zogen, der auf die 60-Jährige zugeschnitten war – und zwar auch, um ihr letztes gallisches Dorf zu behalten. 30 Jahre lang regiert die SPD inzwischen in Rheinland-Pfalz – diese Bastion zu verlieren, hätte den Genossen vermutlich Schnappatmung verursacht.

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Malu Dreyer, SPD-Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz besucht den Buchladen "Büchergilde" in Mainz.

Malu Dreyer hatte ein Heimspiel. CDU-Herausforderer Christian Baldauf wirkte eher blass und ein wenig zu soft neben ihr. Die Landes-CDU lag schon länger beim Ansehen hinter ihrer Bundespartei. Und dann kam noch der Maskenskandal hinzu. Die Quittung vom Wähler folgte prompt, die CDU fiel genau wie in Baden-Württemberg auf ein Rekordtief. Abstrafen nennt man das. Baldauf selbst sprach am Wahlabend von einem „bitteren Ergebnis“. Er hatte auch nichts schönzureden.

Die Landes-Grünen dagegen feiern sich bereits als Mit-Sieger, ebenso wie die FDP – das Bündnis wird wahrscheinlich mit der SPD fortgesetzt. Malu Dreyer hatte das Regierungsbündnis bereits vor der Wahl gelobt und am Wahlabend erneut.

Kretschmann gilt als der idealtypische Landesvater

In Baden-Württemberg ist der Sieg der Grünen ebenso eines Zugpferdes zu verdanken – und zwar Ministerpräsident Winfried Kretschmann (72). Seit zehn Jahren steht der einstige Studienrat an der Spitze des Landes, managt Klimaschutz gemeinsam mit der Wirtschaft. Sieht es nicht als Gegensatz, sondern als Zusammenspiel. Kretschmann, der bodenständige Superrealo, verkörpert außerdem für viele den idealtypischen Landesvater.

Jetzt haben die Grünen den Vorsprung noch einmal ausgebaut, während CDU und SPD auf ein neues historisches Tief fallen. Die Landes-CDU kämpft mit demselben Imageproblem wie die Kollegen in Rheinland-Pfalz.

Die Wahl in Baden-Württemberg zeigt, dass die Grünen dort längst in der politischen Mitte angekommen sind. In früheren CDU-Domänen wie Wirtschaft oder Bildung wird der Ökopartei ähnlich viel zugetraut wie der CDU. Neben einem überragenden Zuspruch beim „Klimaschutz“ führen die sie bei „Zukunft“ oder „Ausländer“ sowie beim dominierenden Thema Corona: Trotz viel Kritik am Krisenmanagement in Baden-Württemberg gerade beim Impffortschritt oder im Bereich Schulen gelten die Grünen in Sachen Corona als kompetenteste Partei. Die SPD wird lediglich in den Bereichen Bildung, Verkehr und Ausländer etwas häufiger genannt, ansonsten bleibt sie genau wie FDP oder AfD sachpolitisch schwach.

Kretschmann stapelte vor der Wahl noch tief. Er wisse nicht, sagte er vor ein paar Tagen, wie sich die Corona-Krise auf das Wahlverhalten auswirke. Jetzt weiß er es.