Die Einführung eines Tempolimits von 130 km/h ist vorerst gescheitert. 
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BerlinEin Vorstoß für ein generelles Tempolimit auf Autobahnen ist im Bundesrat gescheitert. Das war zu erwarten. Bis jetzt war kein nüchternes Argument stark genug, die Verfechter des Rase-Rechts zu überzeugen, und das, obwohl sich in Umfragen zuletzt fast 60 Prozent der Deutschen für ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen aussprachen.

Es ist ja nicht so, dass es nicht genügend Argumente gäbe. Da wäre zunächst der Umweltfaktor: Langsameres Fahren bedeutet weniger CO2-Ausstoß. In Deutschland wird etwa ein Fünftel der CO2-Emissionen durch Autoabgase verursacht. Ein Tempolimit auf 130 km/h brächte – je nach Studie – eine Verringerung der Emissionen um 0,5 bis 1,6 Prozent. Das ist nicht nichts, aber es ist lange nicht genug, um das Anti-Tempolimit-LagIcher umzustimmen. Das gilt schon deshalb, weil beim Autofahren, beim Schnellfahren zumal, das Gefühl grundsätzlich den Verstand schlägt.

Tatsächlich argumentieren Gegner des Tempolimits immer wieder damit, dass man in einer Welt, die ohnehin von Verboten durchzogen sei, den Bürgern auch nicht noch die Freiheit des Schnellfahrens nehmen sollte. 

Es geht nicht um Freiheit

Das klingt nach Demokratie und Allgemeingut, und nach Prinzipien, die es um jeden Preis zu verteidigen gilt. Und doch geht es in Wirklichkeit um etwas anderes. Es geht um Vergnügen, um das, was Autoliebhaber gern ein "Lebensgefühl" nennen. Schnellfahren macht Spaß, und auf Spaß verzichtet man ungern. Ein Tempolimit bedeutete für also im Zweifelsfall ein bisschen weniger Vergnügen. Einen Eingriff in die Freiheit bedeutete es nicht.

Ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen wäre ein Signal gewesen. Dafür, dass das Auto als Sportgerät ausgedient hat, dass es nicht mehr darum gehen sollte, Autos nach dem „Höher-schneller-weiter“-Prinzip zu konzipieren. Dass das Auto einen Zweck erfüllen muss, wo es unbedingt gebraucht wird und dass es ersetzt werden muss, wo immer es Alternativen gibt. Aus Gründen des Umweltschutzes, der Gesundheit, der Sicherheit.

Langsamer ist sicherer

Womit wir doch wieder bei einem rationalen Argument wären, dem einzigen vielleicht, das die emotionale Ebene berührt: Alle drei Stunden stirbt in Deutschland ein Mensch im Straßenverkehr. In den meisten Fällen wegen erhöhter Geschwindigkeit – auch, weil die Gefahr, bei 200 km/h die Kontrolle über sein Fahrzeug zu verlieren, größer ist, als bei 130. Je langsamer man fährt, desto weniger Menschen sterben. So einfach ist das. Rational betrachtet.

Ja, es stimmt: Die meisten Autounfälle in Deutschland ereignen sich  auf Landstraßen, wo derzeit eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h gilt. Nichtsdestotrotz starben auch auf Autobahnen  im Jahr 2018 mehr als 400 Menschen. Und ganz unabhängig davon, dass Unfälle auf Abschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzung ohnehin mit höherer Wahrscheinlichkeit tödlich ausgehen und dass fast alle Studien belegen, dass langsameres Fahren die Sicherheit im Straßenverkehr generell verbessert – es kann kein gültiges Argument gegen ein Tempolimit auf Autobahnen sein, dass anderswo noch mehr Menschen sterben.

So zu argumentieren hieße, jeden Autobahntoten als Kollateralschaden in Kauf zu nehmen. Für ein Lebensgefühl.