Berlin - Eine Berliner Polizistin hilft dabei, in der Sahelzone für Ordnung zu sorgen. Seit diesem Januar leitet Antje Pittelkau eine internationale Polizeimission in der Republik Niger. Die 53-Jährige, vom Dienstgrad Leitende Polizeidirektorin, ist damit die erste deutsche Polizistin, die die Leitung einer solchen Mission übernommen hat.

Die 2012 von der EU gegründete zivile Mission zum Aufbau von Sicherheitskapazitäten trägt den sperrigen Namen EU Capacity Building Mission in Niger (EUCAP Sahel Niger). Eine ähnliche Mission gibt es in Mali. EUCAP Sahel Niger, an der 16 EU-Staaten beteiligt sind, hilft durch Beratung und Ausbildung beim Aufbau der dortigen Polizei, Gendarmerie und Nationalgarde. Sie sollen zur Bekämpfung von Organisierter Kriminalität wie Menschenschmuggel und Drogenhandel und Terrorismus befähigt werden.

Im Hauptquartier in der Hauptstadt Niamey sind 122 internationale Experten wie Polizisten und Gendarmen, darunter sieben Polizisten aus Deutschland. Hinzu kommen 60 lokale Mitarbeiter. Die Mission besteht auch aus Zivilisten, etwa Logistik- und Finanzexperten. Es gibt politische Berater und Rechtsberater.

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Die Leitende Polizeidirektorin ist die erste Frau, die eine internationale Polizeimission leitet.

Antje Pittelkau, die bis zu ihrer jetzigen Ernennung schon drei Jahre lang stellvertretende Missionsleiterin war, hat 1987 ihre Ausbildung bei der damaligen West-Berliner Polizei begonnen. Sie leitete Mitte der 2000er-Jahre den Polizeiabschnitt 27 am Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg, als sie das Angebot bekam, nach Afghanistan zu gehen. Drei Mal war sie in dieser Mission dort, insgesamt vier Jahre, in denen sie insgesamt fünf afghanische Innenminister beriet. Sie arbeitete auch in Brüssel und in der Berliner Senatsverwaltung für Inneres.

Die Polizistin aus Berlin – ledig, keine Kinder – steht jetzt einer Mission vor, die seit fünf Jahren auch das Mandat für die Ausbildung von mobilen Grenzschutzeinheiten hat, um irreguläre Migration und die damit verbundene Kriminalität in den Griff zu bekommen. Der Norden Nigers ist vor allem von Wüste geprägt. Deshalb sind die Grenzschützer dort meist mit Fahrzeugen im Grenzgebiet unterwegs.

„Niger war schon immer ein Durchgangsland für Migration“, sagt Antje Pittelkau. „Aber nicht jede Reise geht nach Europa. Das heißt, wir müssen bei unserer Ausbildung die lokalen Kräfte dafür sensibilisieren, wer unsere Zielgruppen sind. Es sind nicht die Migranten als solche, sondern jene, die ihre kriminellen Geschäfte damit machen. Also Schleuser, die sich eine goldene Nase damit verdienen.“

Die Sicherheitslage in Niger verschlechtert sich

Nach ihrer Einschätzung ist Niger noch relativ sicher. Aber die Lage verschlechtert sich. Aus den angrenzenden Ländern Mali, Burkina Faso und Nigeria sickern in letzter Zeit verstärkt Terrorgruppen über die Grenzen. Bei einem Doppelanschlag auf zwei Dörfer im Grenzgebiet zu Mali wurden am 2. Januar insgesamt 105 Bewohner getötet.

Niger ist eines der ärmsten Länder der Welt. Auf die 24 Millionen Einwohner kommen etwa 9000 Polizisten, weitere 9000 Gendarmen und 10.000 Soldaten der Garde Nationale, die schlecht ausgerüstet sind. Das Interesse sei groß, die Grenzpolizei, die Polizei und die Gendarmerie aufzubauen, sagt die Missionschefin. „Die Polizeichefs hier nehmen ihre Aufgabe und uns als Partner sehr ernst und sind dankbar für alles, was sie bekommen. Man merkt auch, dass dieses Land nicht sehr verwöhnt ist. Sie haben ein großes Interesse daran, professioneller zu werden und besser ausgestattet zu sein.“

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Antje Pittelkau spricht vor Angehörigen der mobilen Grenzpolizei, die von EUCAP ausgebildet wurden.

In den Jahren ihres Bestehens hat die Mission 19.000 Polizisten und Gendarmen trainiert. Vieles spielt sich im Klassenraum ab: Wie reist jemand ein, wie reist jemand aus? Wie muss ein Pass aussehen? Wie erkennt man gefälschte Dokumente? Braucht jemand ein Visum oder nicht? Immer mehr gehen die Experten inzwischen auch dazu über, zu beraten – zum Beispiel die lokalen Polizeichefs und das Innenministerium, wenn es darum geht, eine nationale Sicherheitsstrategie zu entwickeln. „Diese Arbeit geht über viele Jahre“, sagt Antje Pittelkau – ähnlich wie in Afghanistan.

Der Berliner Zeitung erzählt sie am Telefon von ihrer Arbeit. Als Chefin hat sie das Privileg, in einem eigenen Haus in der Hauptstadt zu wohnen. Sie bezeichnet sich als Morgenmensch. Zwischen 4 und 5 Uhr morgens steht sie auf. „Ich mache dann Post, sehe meine Mails durch. Um 7 Uhr kommt mein Fahrer und bringt mich ins Büro“, sagt sie am Telefon. „Mein Alltag besteht aus E-Mails, Besprechungen und Telefonaten. Meine Woche ist geprägt von vielen Gesprächen mit nigrischen Partnern: dem Innenminister, dem Verteidigungsminister, den Chefs der Guard National, der Nationalpolizei und der Gendarmerie, wo wir absprechen, in welchen Bereichen wir helfen können. Der Auftrag der EUCAP ist es auch, internationale Anstrengungen zu koordinieren. Ich habe also automatisch sehr viel zu tun mit der UN und EU-Partnern und Botschaftern.“

Der Alltag in einer Männerdomäne ist herausfordernd

Wie arbeitet es sich in einer mutmaßlichen Männerdomäne? „Bei den Zivilisten, die für EUCAP tätig sind, sind einige Frauen dabei, aber es stimmt, es müssen noch mehr werden“, sagt sie. „Die Europäischen Missionen haben Konzepte entwickelt zur Gewinnung von mehr Personal, gerade auch Frauen.“ Unter den 60 lokalen Kräften gibt es viele Frauen. Allerdings sei der Umgang mit nigrischen Partnern vor Ort „teilweise herausfordernd“, sagt sie. „Sie sind es nicht unbedingt gewohnt, mit einer weiblichen Head of Mission konfrontiert zu werden. Ich bin da etwas schmerzfreier und nehme es auch gar nicht immer wahr. Es ist aber überall auf der Welt so. Sie stoßen auf Vorbehalte, bis Sie jemand persönlich kennenlernt.“

Allerdings schränkt die Polizistin ein: „Hier in der Region gibt es auch einige Frauen mit Ministerposten. Das sind starke Persönlichkeiten, viele von ihnen haben sich großen Respekt verdient.“