Schon lange nicht ist die Grande Nation so gedemütigt worden: Beim vergangenen G7-Gipfel handelten Großbritannien, die USA und Australien einen neuen Militärpakt aus – hinter dem Rücken des anwesenden französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Die Franzosen bekamen das Getuschel und die geheimen Depeschen nicht mit – und das, obwohl Frankreich postkoloniale Interessen in der Region hat und als Folge des angelsächsischen Pakts einen Milliarden-Deal über die Lieferung von U-Booten an Australien verloren. Die Franzosen wurden offenbar gezielt brüskiert – und ritten am Wochenende scharfe Attacken gegen die US-Regierung. Man sprach vom „Dolchstoß“, vom „schweren Vertrauensbruch“ und einer Politik wie unter „Monsieur Trump“. Macron soll zwar „in den nächsten“ Tagen einmal mit US-Präsident Joe Biden telefonieren.

Doch Macron dürfte die Chance Frankreich, zu den ganz Großen in der Rüstungsbranche aufzusteigen, schon im Jahr 2019 verspielt haben: Damals bezeichnete Macron die Nato als „hirntot“, was ihm viele Militärpolitiker bis heute nicht verziehen haben. Hinzu kommt, dass Frankreich innerhalb der Nato seit einiger Zeit einen eigenen Weg durchzusetzen versucht und dabei immer wieder mit der Türkei aneinandergerät. Die Türkei spielt für die Angelsachsen jedoch eine wichtige Rolle im Hinblick auf Syrien, Russland und die früheren Staaten der Sowjetunion.

Macron, dessen Präsidentschaft wegen des Vormarschs von Marine Le Pen auf der Kippe steht, hat außer symbolischen Gesten kaum Optionen. So beorderte denn Paris auch in einem beispiellosen Schritt die Botschafter aus Washington und Canberra zurück. Der Botschafter in London darf vorerst bleiben. Vom „Opportunismus“ der Briten sei man im Zusammenhang mit der ganzen Affäre am wenigsten überrascht gewesen, hieß es hinter vorgehaltener Hand von französischen Beamten.