Fallschirmjäger der US Army mit der 82. Luftlandedivision stellen sich auf der Militäreinrichtung Pope Army Airfield in Fayetteville neben Transportflugzeuge auf. Die Immediate Response Force wurde nach Bagdad verlegt, um die US-Botschaft zu schützen.
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Washington/TeheranDer Konflikt zwischen den USA und dem Iran spitzt sich mit der Tötung eines der ranghöchsten iranischen Generäle gefährlich zu. Kann es zwischen den USA und dem Iran nach der Eskalation eine Annäherung geben? Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Beziehungen der beiden Länder schon seit langem sehr schwierig sind. Ein Überblick:

Der Putsch: 1953 bringen die USA und Großbritannien Irans demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Mohammed Mossadegh zu Fall und stellen die Macht des Schahs wieder her. Mossadegh hatte sich den Zorn Londons und Washingtons zugezogen, weil er die Verstaatlichung der Ölindustrie verteidigte.

Die Revolution: Nach monatelangen Streiks und Demonstrationen zieht der von den USA unterstützte Schah Mohammed Reza Pahlavi 1979 ins Exil. Ajatollah Khomeini ruft die Islamische Republik Iran aus. Am 4. November besetzen Studenten die US-Botschaft in Teheran, nehmen 52 Amerikaner in Geiselhaft und fordern die Auslieferung des Schahs. Washington verhängt Sanktionen, die Geiselnahme endet nach 444 Tagen.

Die Tragödie: Zur Zeit des „Tankerkriegs» im Persischen Golf treffen von dem US-Kreuzer „Vincennes“ abgefeuerte Raketen 1988 eine iranische Linienmaschine. Alle 290 Passagiere sterben, die meisten von ihnen Iraner. Die USA hatten ihre Luft- und Marinepräsenz in der Region damals verstärkt, um Öltanker vor iranischen Angriffen zu schützen. Die US-Crew hatte den Airbus für einen Kampfjet gehalten.

Enttäuschte Hoffnung: Mit den Regierungen von Akbar Haschemi Rafsandschani (1989-1997) und Mohammed Chatami (1997-2005) folgt eine Phase der Öffnung in Richtung Westen. Das Blatt wendet sich 2005 mit dem Amtsantritt von Mahmud Ahmadinedschad, der unter anderem mit Hasstiraden gegen Israel für Empörung sorgt. 2002 wird bekannt, dass der Iran unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms geheim an Atomwaffen arbeitet. Mit Blick auf Iran, den Irak und Nordkorea spricht US-Präsident George W. Bush von der „Achse des Bösen“.

Die Sanktionen: Nach erfolglosen Verhandlungen über das Atomprogramm verhängen die Vereinten Nationen, die EU, die USA und andere Länder von 2006 an Strafmaßnahmen, die Teheran wirtschaftlich in Bedrängnis bringen. Der neue, als Reformer geltende Präsident Hassan Ruhani geht 2013 auf die internationalen Forderungen ein, das Atomprogramm zurückzufahren. Nach Jahrzehnten diplomatischer Eiszeit telefonieren die Präsidenten der USA, Barack Obama, und des Irans erstmals wieder miteinander.

Das Abkommen: Nach jahrelangen Verhandlungen einigen sich die UN-Vetomächte, Deutschland und der Iran 2015 in Wien auf ein Abkommen, das Teheran vom Bau einer Atombombe abbringen soll. Es stellt die iranische Atomindustrie unter Kontrolle und verspricht das Ende der Wirtschaftssanktionen.

Der Ausstieg: Trotz massiven Widerstands europäischer Partner zieht sich die neue US-Regierung unter Donald Trump 2018 aus dem Atomdeal zurück und setzt im November neue Wirtschaftssanktionen in Kraft. Die USA wollen den Iran zwingen, ein neues Abkommen mit schärferen Auflagen auszuhandeln. Sie wollen ein für alle Mal sicherstellen, dass es für den Iran keinen Weg zurück zu einer Atomwaffe gibt und dass sein ballistisches Raketenprogramm den UN-Resolutionen entspricht. Die Europäer wollen an der Vereinbarung von 2015 festhalten. Vermittlungsversuche fruchten zunächst nicht.

Neue Hoffnung: Nach dem G7-Gipfel in Biarritz gibt es neue Hoffnungen auf Deeskalation. Trump sagt im südfranzösischen Badeort zu einer möglichen Begegnung mit Irans Präsident Ruhani: „Ich denke, es gibt eine sehr gute Chance, dass wir uns treffen.“ Zuvor waren die Spannungen zwischen den beiden Ländern wegen der Wiedereinführung der US-Wirtschaftssanktionen monatelang eskaliert - unter anderem mit der Folge, dass der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus als nicht mehr sicher gilt. Das bislang letzte bilaterale Treffen zwischen Spitzenvertretern der USA und des Irans fand vor mehr als 40 Jahren, am 31. Dezember 1977, statt. Damals traf US-Präsident Jimmy Carter in Teheran den Schah.

Erneute Eskalation: Nach dem tödlichen US-Angriff auf den iranischen Top-General Ghassem Soleimani droht im Irak eine gefährliche militärische Konfrontation. Bei einem von US-Präsident Donald Trump befohlenen Raketenangriff wurden in der Nacht zum Freitag in Bagdad der einflussreiche iranische General Kassem Soleimani und ein irakischer Milizenführer getötet. Die Führung in Teheran schwor umgehend Vergeltung, Bagdad warnte vor einem „zerstörerischen Krieg“ im Irak.