Alle Jahre wieder: Ziemlich genau vor einem Jahr ist in Deutschland die Delta-Variante zum ersten Mal nachgewiesen worden. Das war um die Weihnachtsfeiertage herum. Dieses Jahr kommt die Bescherung mit Omikron etwas früher. Ansonsten ist aber alles fast wie im vergangenen Jahr. Nur, dass die Infektionszahlen etwas höher, handlungswillige Politiker aber etwas ferner sind.

Der scheidende Gesundheitsminister gefällt sich in höhnischen Sprüchen und erklärt allen Ungeimpften, dass sie noch im ganzen nächsten Jahr maximal in den Supermarkt dürfen. Das wird die beschämende Rate von unter 70 Prozent doppelt Geimpften in Deutschland sicherlich nach oben reißen. Die zu verbessern hat man ohnehin schon vor längerem aufgegeben. Sonst hätte man auf ein paar originellere Ideen kommen müssen, als immer nur den RKI-Präsidenten Lothar Wieler in der Bundespressekonferenz dazu aufrufen zu lassen.

Wer Jens Spahn beerbt, steht noch in den Sternen. Die SPD wird das Gesundheitsressort besetzen. Aber jetzt noch nicht. Olaf Scholz will erst mal ohne Personalquerelen das Votum seiner Partei hinter sich bringen, das ist jetzt das wichtigste. Danach wird er aber alles tun, was getan werden muss in der Pandemie, teilt er entspannt auf Twitter mit. Hände hoch, wer sich davon nicht veralbert fühlt.

Die Bundeswehr fliegt derweil Intensivpatienten aus überfüllten Intensivstationen in etwas weniger überfüllte andere Kliniken. Ministerpräsidenten und Regierende Bürgermeister schauen zu, wie Fußballklubs ihre Stadien am Wochenende bis auf den letzten Platz füllen – und fordern ansonsten bundeseinheitliche Regeln, weil die Situation so ernst ist.

Wir anderen ohne Regierungsverantwortung versuchen nicht zynisch zu werden, was wirklich schwer ist. Wir sagen schon mal die Verwandtenbesuche zu Weihnachten ab und hoffen inständig, dass wenigstens die Schulen offen bleiben. Und dass Corona einfach von alleine weggeht.