Berlin - Manchmal können radikale Lösungen richtig gute Laune machen. Homeoffice oder Büro? Die Betreiber des Berufsnetzwerks LinkedIn haben entschieden, dass in dieser Woche alle Arbeitnehmer frei haben. Es geht um Sonderurlaub für 15.900 Vollzeit-Beschäftigte, nur eine kleine Mannschaft soll den Betrieb aufrechterhalten und später Pause machen.

Nach Ostern noch ein paar Tage die Beine hochlegen oder die noch nicht wiedergefundenen Ostereier suchen, wer hätte was dagegen? Doch die Aktion aus Kalifornien ist nicht nur ein kuscheliges Geschenk. Das Beispiel aus den USA macht deutlich, dass die Pandemie die beste Zeit zum Umdenken ist, die beste Zeit für grundsätzliche Fragen. Warum haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Deutschland ein so misstrauisches Verhältnis entwickelt? Die Wahrheit ist doch, dass Angestellte sich oft nicht trauen, ins Homeoffice zu gehen, weil sie berufliche Nachteile befürchten.

Viele Arbeitgeber haben Angst, dass der Laden auf die Insolvenz zusteuert, wenn die Kontrolle über die Angestellten fehlt. Bei LinkedIn heißt es, dass die Leute sich erholen sollen nach einem Jahr im Corona-Homeoffice. Wie sozial ist das denn?

Schon klar, dass in den USA andere Urlaubsregelungen gelten, Arbeitnehmer weniger geschützt sind – und trotzdem: Die Führungskräfte und Mitarbeiter bei LinkedIn müssen in den vergangenen Jahren viel richtig gemacht haben, sonst wäre das Berufsnetzwerk nicht das erfolgreichste weltweit geworden. Daran hat sich auch während der Pandemie nichts geändert, sonst wäre die Urlaubsregelung nicht möglich gewesen. 

Am Ende bleibt die klare Botschaft, wonach das alte Kaufmannsprinzip „Vertrauen schafft Vertrauen“ noch immer gilt. Auch in der Arbeitswelt.