Eklat bei Mauerfall-Feierstunde im Bundestag: Biermann bezeichnet Linke als „elenden Rest“

Berlin - Der 1976 aus der DDR ausgebürgerte Liedermacher Wolf Biermann hat in der Gedenkstunde des Bundestages die Linke scharf attackiert. Die Abgeordneten der Linkspartei seien „der elende Rest dessen, was zum Glück überwunden wurde“, sagte der 77-Jährige. Er sei von dem „Ironiker“ Lammert eingeladen worden, um der Linken ein paar Ohrfeigen zu verpassen. „Aber das kann ich nicht, ich war ja Drachentöter. (...) Ein Drachentöter kann nicht mit großer Gebärde die Reste der Drachenbrut tapfer niederschlagen.“

„Sie sind hier, um zu singen“

Lammert sagte zu Biermanns ungewöhnlichem Auftritt mit einem Hinweis auf die Geschäftsordnung: „Sobald Sie für den Bundestag kandidieren und gewählt werden, können Sie auch reden. Jetzt sind sie hier, um zu singen.“

Biermann entgegnete: „Das Reden habe ich mir in der DDR nicht abgewöhnt und werde das hier schon gar nicht tun.“ An die Adresse der Linken sagte er: „Ihr seid dazu verurteilt, das hier zu ertragen. Ich gönne es Euch.“

Biermanns Auftritt hatte schon vorher für Ärger gesorgt, weil sich die Linke als SED-Nachfolgepartei immer wieder von Biermann kritisiert fühlt und bei der Festlegung des Programms für die Gedenkstunde übergangen fühlte. Sie verlangte, dass er seinen Auftritt nicht für Parteienkritik nutzt.

Gysi geht auf Biermanns Angriffe nicht ein

Linksfraktionschef Gregor Gysi beklagte anschließend schwere Versäumnisse bei der deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Große Probleme seien dadurch entstanden, dass die DDR nach dem Mauerfall der Bundesrepublik beitrat und es keine echte Vereinigung der beiden deutschen Staaten gegeben habe, sagte Gysi am Freitag in einer Gedenkstunde im Bundestag.

In der DDR habe eine Diktatur und grobes Unrecht geherrscht, sagte Gysi. Er blieb damit bei seiner Haltung, die DDR nicht pauschal als Unrechtstaat zu bezeichnen. Auf die scharfen Angriffe Biermanns ging er nicht ein. (dpa)