Berlin - Die Schweiz ist ein Land, in dem über alles munter bis heftig debattiert wird. Über Gott und die Welt wird gestritten, es gibt Volksabstimmungen über gerechte Löhne, Einwanderung, über den Umgang mit Pädophilen, zur Frage, was aus dem Schweizer Gold oder wie mit Millionenerbschaften umgegangen werden soll.

Aber wenig hat das Alpenland derart erschüttert, wie zwei muslimische Jungen aus Therwil im Kanton Baselland, 14 und 15 Jahre alt, die ihrer Lehrerin morgens vor Unterrichtsbeginn nicht die Hand geben wollen, wie das sonst an Schweizer Schulen Usus ist. Die syrischen Hauptschüler weigern sich aus religiösen Gründen: Der Islam verbiete das Berühren fremder Frauen.

„Der Handschlag gehört zur Schweizer Kultur“

Die Schulleitung akzeptierte das, wie am Wochenende bekannt wurde. Im vergangenen Dezember gab es ein Gespräch, nachdem die Lehrerin ihrem Rektor das Verhalten der Jungen geschildert hatte. Man einigte sich auf einen „höfliche Begrüßung ohne Körperkontakt“. „Wir lösten das Problem so, dass die beiden Schüler sowohl die Hand der Lehrerinnen, aber auch die der Lehrer nicht mehr schütteln. Damit ist die Diskriminierung aus der Welt geschafft“, wird der Rektor in Schweizer Zeitungen zitiert.

Nun kocht es im Land, ein „wogender Wertekampf“ ist im Gange, wie ein Blatt schrieb. „Dass ein Kind der Lehrperson die Hand nicht gibt, das geht nicht“, sagte Simonetta Sommaruga dem Sender SRF. Die Schweizer Justizministerin kritisierte in der Fernsehsendung „10vor10“ das Schülerverhalten deutlich. So stelle sie sich Integration nicht vor, auch unter dem Titel Religionsfreiheit könne man das nicht akzeptieren. Der Handschlag gehöre zur Schweizer Kultur.

Auch liberale Muslime verurteilen den Deal. „Wir sind hier nicht in Saudi-Arabien“, schimpfte Saida Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam.