Wenn Klimaforscher nach Ursachen von Wetterkatastrophen suchen, dann vertiefen sie sich in Zahlen. So spüren die Experten des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) auch den derzeitigen Hochwassern in Ostdeutschland nach, indem sie Daten von Wettermessungen, zur Landschaft und zur Geografie analysieren. Im Trend zeigt sich dabei: Mehr als die Landnutzung an den Ufern und die Begradigung oder Vertiefung der Flüsse dürfte der Klimawandel hinter der Zunahme von starken Hochwassern stecken.

Häufung prognostiziert

So haben die Klimaforscher kürzlich alle Daten zu Wetter, Strahlung, Bodennutzung und Landschaft seit 1951 erfasst, berichtet PIK-Hochwasser-Experte Fred Hattermann. Darin zeigten sich auch die bekannten Häufungen der Hochwasser in Elbe, Mulde und Oder seit Ende der 90er-Jahre und vor allem in den vergangenen zehn Jahren. Um herauszufinden, welche der erfassten Faktoren zu den starken Fluten geführt hatten, setzten die Forscher die einzelnen Variablen auf dem Wert von 1951 fest. Ergebnis: Die Bebauung und Begradigung spielt zwar eine Rolle bei der Entstehung kleinerer Hochwasser. Doch selbst wenn die Bodennutzung und die Flussläufe sich seit den 50er-Jahren gar nicht verändert hätten, wäre es zu den großen Überschwemmungen in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt gekommen.

Zudem bestehe ein direkter Zusammenhang zwischen den ostdeutschen Flutkatastrophen der vergangenen Jahre und bestimmten Wetterlagen, sagt Hattermann. So führe die – auch derzeit anhaltende – Ostwind-Wetterlage im Sommer nicht immer, aber häufig zu starken Niederschlägen in Ost- und Süddeutschland, weil sie Feuchtigkeit aus dem Mittelmeerraum mit sich bringe. Diese Wetterlage herrschte auch, als 1997 die Oder, 2002 die Elbe und 2010 die Mulde Höchststände führte – und sie kam in den vergangenen zwanzig und besonders in den letzten zehn Jahren deutlich häufiger auf als zuvor.

Die Klimaforscher führen das auf eine veränderte Großwetterlage zurück, die wiederum aus der Erderwärmung resultiere. Die Szenarien, mit denen die Experten rechnen, zeigen, dass sich die Häufung dieser Wetterlage in den kommenden Jahren weiter verstärken dürfte. Für Brandenburg heißt das: Die Winter werden etwas feuchter, die Sommer etwas trockener als bisher.

Seltener Regen, aber heftiger

Die steigende Temperatur bewirke jedoch, dass mehr Wasser aus dem Meer verdunstet und so die absolute Luftfeuchtigkeit wächst, also der Wassergehalt in der Atmosphäre.

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Zugleich erwärme sich auch die Atmosphäre, sodass die Luft mehr Wasser speichern kann. Dadurch sinke wiederum die relative Luftfeuchtigkeit, also der Wasseranteil im Verhältnis zur Temperatur. Weil es erst regnet, wenn die Luft kein Wasser mehr aufnehmen kann, geschieht das künftig etwas seltener als heute. Wenn es dann aber regnet, dann heftiger – weil die Luft ja mehr Wasser enthält. Dadurch fällt im Osten Deutschlands, wo sich die Feuchtigkeit an den Mittelgebirgen abregnet, im Falle von Regen mehr Wasser vom Himmel.

In diesem Jahr hatte es zudem vor dem Hochwasser lange geregnet, sodass die Böden kaum zusätzliches Wasser aufnahmen. Aber auch das Gegenteil ist gefährlich: Zu trockene Böden können große Regenmengen auch nicht aufnehmen. In beiden Fällen drohe Hochwasser.

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