Senatorin Elizabeth Warren bei einer Wahlkampfveranstaltung in Detroit.
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Washington - Die Amerikaner nennen den kleinen Finger liebevoll „Pinkie“. Und wenn zwei Menschen sich mit ihren kleinen Fingern berühren, dann ist das eine Art Siegel für ein hochheiliges Versprechen, ein „Pinkie Promise“.

Elizabeth Warren hat im Vorwahlkampf der demokratischen Partei Tausende davon gegeben. Dafür ging sie nach Wahlkampfveranstaltungen regelmäßig in die Hockstellung, um ihren kleinen Fans in die Augen zu schauen. „Das ist, was Mädchen tun,“ pflegte die Kandidatin zu sagen. „Sie bewerben sich darum, Präsidentin zu werden.“

Als Warren am Donnerstag vor ihrem Haus in Cambridge (Bundesstaat Massachusetts) stand, um das Ende ihrer Kandidatur für das Amt im Weißen Haus zu verkünden, erinnerte sie an die vielen „Pinkie Promises“, die sie abgelegt hat, seit sie im Februar 2019 angetreten war. „Mir gehen alle diese Mädchen durch den Kopf, die nun weitere vier Jahre warten müssen“, sagt die Senatorin sichtbar bewegt.

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Gemeinsames Scheitern

Warren teilt die Erfahrung der Niederlage mit drei anderen Senatorinnen – Kirsten Gillibrand, Kamala Harris und Amy Klobuchar – die bei diesen Vorwahlen als sehr aussichtsreiche Kandidatinnen gestartet waren und an dem scheiterten, was die erste und einzige Präsidentschaftskandidatin, Hillary Clinton, als „die unsichtbare Glasdecke“ der amerikanischen Politik bezeichnet. Die Partei, deren Wähler zu 60 Prozent Frauen sind, hat nun die Wahl zwischen zwei alten, weißen Männern.

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Mehrheit bei den Wählern

Die Zahlen sprechen für Warren eine deutliche Sprache. Obwohl die Frauen bei den Vorwahlen am Super-Dienstag die Mehrheit der Wähler ausmachte, erhielten Bernie Sanders und Joe Biden jeweils rund zehn Prozent mehr der weiblichen Stimmen. Warren sagt, sie sei von Frauen oft auf die Sorge angesprochen worden, die Amerikaner seien nicht so weit, eine Präsidentin zu wählen.

Die Frauenrechtlerin Rebecca Traister sieht Kandidatinnen in einer Falle. Diese könnten nicht über den offenkundigen Sexismus sprechen, „weil das nach Heulsuse klingt“. Warren kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Es gelang ihr zwar, im Alleingang den Milliardär Michael Bloomberg wegen dessen frauenfeindlichem Verhalten in der Vergangenheit zu demontieren, aber sie selber half sich nicht.

Ob und welchen der beiden Männer sie nun unterstützen will, ließ Warren zunächst weiter offen. Nur so viel – sie werde sich an ihre „Pinkie Promises“ halten. „Wir wissen, dass wir eine Frau im Weißen Haus haben können, wenn wir endlich eine ins Weiße Haus wählen.“