Elterngeld: Hände weg von der Elternzeit!

So viel Fürsorge haben Frauen im Beruf noch selten genossen. Deutschlands Arbeitgeber wollen sich ihrer Karrierechancen annehmen. Das geeignete Instrument haben die Chefs auch schon ausgemacht: Sie wollen die Elternzeit radikal verkürzen. Denn eine zu lange Elternzeit, erklärt Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt, wirke sich negativ auf die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt aus.

„Je länger Frauen aus dem Beruf aussteigen, desto schwieriger ist die Wiedereingliederung, desto größer sind die Qualifikationsverluste und desto geringer sind die Karrierechancen“, heißt es in einem Positionspapier der Arbeitgeber, das die Zeitung Die Welt am Montag veröffentlichte. Die Elternzeit solle von maximal drei Jahren auf ein Jahr verkürzt werden, zugleich solle auch das Elterngeld nur noch maximal zwölf Monate gezahlt werden.

Nur im Nebensatz erwähnen die Arbeitgeber, worum es ihnen in Wirklichkeit geht: Frauen schneller in den Arbeitsmarkt zurückzuholen, um dem sich abzeichnenden Facharbeitermangel abzuhelfen. Frauen dienen schließlich schon immer als Verfügungsmasse für den Arbeitsmarkt. In Zeiten knapper Arbeitskräfte, beispielsweise im Krieg, wurden sie in die Fabriken geholt. Wenn die Männer von der Front zurückkamen, wurden sie zu Heim und Herd zurückgeschickt.

Lästige Elternzeit

Keine Frage, jetzt werden die Arbeitskräfte wieder knapp, auch wenn jetzt kein Krieg, sondern die Alterung der Bevölkerung der Grund für den Mangel ist. Sicher würde mancher Personalchef seine Probleme leichter lösen können, wenn ihm die Frauen-Reserve uneingeschränkt zur Verfügung stände. Er wäre zugleich ein lästiges Organisationsproblem los, wenn er für Mütter (oder Väter) in der Elternzeit nicht bis zu drei Jahre lang einen angemessenen Arbeitsplatz vorhalten müsste.

Aber verwenden die Arbeitgeber auch nur einen Augenblick darauf zu fragen, ob die Frauen, um deren Karrierechancen sie sich so rührend sorgen, überhaupt einverstanden sind? Oder wie es den Kleinkindern geht, die in die Krippe sollen, noch bevor sie laufen oder sprechen können? Mit der Elternzeit hat der Gesetzgeber Müttern und Vätern ein kleines Stück Wahlfreiheit zwischen Beruf und Familie ermöglicht. Wie traurig, wenn dies den kurzfristigen Wirtschaftsinteressen geopfert würde.