Die Grenzen in Europa, hier zwischen Deutschland und Frankreich in Straßburg, öffnen sich wieder. 
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BerlinAb Mitternacht sind weite Teile der Europäischen Union wieder das, was sie sein sollten: Ein Raum ohne Grenzkontrollen, in dem die Bürger sich so frei zwischen verschiedenen Ländern bewegen können, wie sie wollen. Die Einführung von Grenzkontrollen, die Schließung von Übergängen, das Abweisen von Nachbarn waren die politisch schwerwiegendsten Maßnahmen, die zur Eindämmung der Pandemie ergriffen worden sind. Sie rührten an eine Grundidee der europäischen Einigung, und sie haben in manchen Regionen zwischen Deutschland und Österreich, Frankreich oder Polen, in denen die Staatsgrenze zwischen hüben und drüben nur noch in der grauen Erinnerung der Älteren existierte, einen Schock ausgelöst.

Plötzlich zeigte sich, wie selbstverständlich dieses Miteinander längst geworden ist, wie schnell es aber auch wieder beendet sein kann. Und wie schnell wieder Ressentiments geschürt werden und kaltschnäuzige Bürokraten das nationale Sagen übernehmen. Das ist unter anderem im Saarland und im benachbarten Elsass geschehen, einer Region, die immer deutsch-französisch geprägt und immer wieder kriegerisch umstritten war. Hier wie auch an der deutsch-polnischen Grenze hat der Rückfall in die alten Strukturen gezeigt, welch eine friedensstiftende Wirkung die europäische Einigung und das Leben ohne Grenzen entfalten.

„Das dürft ihr uns nie wieder antun“, riefen die Bürgermeister von Frankfurt (Oder) und Slubice ihren Regierungen in Berlin und Warschau zu, als sie sich schon in der Nacht zum Sonnabend auf der Oderbrücke in den Armen lagen. Das war zwar ein Verstoß gegen die Abstandsregeln. Aber es war vor allem ein bewegendes Bekenntnis, dass sich europäische Nachbarn auch nicht wegen eines aggressiven  Virus trennen lassen wollen.